1000 Euro für alle. Geht das?

Visionen für eine lebenswerte Zukunft

Bereits zum zweiten Mal präsentierten sich einen Abend lang kreative Start-Ups und zahlreiche innovative Projekte bei der  Social Innovation Night in der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Im Mittelpunkt standen nachhaltige, soziale und ökologische Projekte, um die Welt  zu einem lebenswerten Ort zu machen. Der Abend zeigt: Jeder kann etwas zum Besseren bewegen – aber gemeinsam geht es immer einen Schritt weiter.

Die Frage des Abends lautet jedoch: Was würdest du mit monatlich 1000€ machen? Keine Hintergedanken, kein Kleingeschriebenes, keine Rückzahlung. Kurzum das bedingungslose Grundeinkommen. Eine Zukunftsvision für alle? Genau die richtige Frage für dieses visionäre Format.

Mutige Projekte erleben auf dem Projektmarkt

Vor der Diskussion lohnt sich auf jeden Fall ein Rundgang auf dem Projektmarkt der Social Innovation Night. Hier zeigten sich die vielfältigen, innovativen Preisträger des yooweedoo Ideenwettbewerb Seite an Seite mit nachhaltigen Projekten der Region. Oftmals bedarf es nur eines kleinen Anstoßes – ein Workshop, ein Kontakt oder etwas finanzielle Starthilfe, um aus einer Vision ein reales Projekt zum Erfolg zu führen. Genau diesen Anstoß bietet der yooweedoo Ideenwettbewerb seit 2012

„Ohne das Changemaker Programm von yooweedoo wäre unser Projekt nicht möglich gewesen“, bestätigt Felicia Hofstätter vom Projekt Wurzel.Bildung, die yooweedoo Preisträger von 2016. Felicia und ihr Team realisieren in Zusammenarbeit mit mittlerweile vier Kieler Schulen Hochbeetprojekte, die von Kieler Schüler*innen betreut werden. Das Team von Wurzel.Bildung weiß, dass er dabei gerade auf die junge Generation ankommt: „Wir wollen wieder den Kontakt zur Natur herstellen und ein Bewusstsein dafür vermitteln, wo unsere Lebensmittel eigentlich herkommen.“

Gemeinsam weiterkommen

Im Dialog zusammen kommen und etwas bewegen. Darum geht es auch bei der Social Innovation Night 2017. Den gesamten Abend über konnten Interessierte und Besucher*innen mit den verschieden Projektteams ins Gespräch kommen und Neues entdecken. Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit der Projekte sich untereinander zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Aktionen zu starten. Dies gilt besonders für die jungen Projekte, die von den „alten Hasen“ der Kieler Startup-Szene lernen konnten

Das bedingungslose Grundeinkommen in der Diskussion

Thematisch treffen die verschiedenen Projekte die wichtigen Herausforderungen unserer Zeit. Nah am Menschen und mitten in der Gesellschaft. Lösungen zum Anfassen. Daher war es nur logisch die Social Innovation Night 2017 unter ein visionäres Motto zu setzen: 1000€ für alle. Geht das? Das bedingungslose Grundeinkommen als mögliches Zukunftsmodell für Schleswig-Holstein. „Wir brauchen das bedingungslose Grundeinkommen um soziale Teilhabe für alle Menschen in Zukunft zu erreichen“, betont der Grüne Vizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages Rasmus Andresen.

Das Thema trifft den Zahn der Zeit und auf ein breites Publikum im großen Hörsaal der Universität. Neben Rasmus Andresen stellten sich Ronald Blaschke, Netzwerk Grundeinkommen, Frank Hornschu, Deutscher Gewerkschaftsbund Nord und Gina Schöler, Ministerium für Glück und Wohlbefinden, dem Publikum. Wie kann das bedingungslose Grundeinkommen realisiert werden? Woher kommt die Idee? Der Abend bietet einen breiten Überblick zum Thema, aber auch kritische Worte.

Warum das Thema so aktuell ist, stellt Ronald Blaschke dar: „Es gibt ein soziales Bedürfnis seine Zeit anders zu bestimmen.“ Die Menschen wollen vor allem Zeit – für Familie und Freunde, für soziales Engagement, für Selbstverwirklichung. Eine nette Möglichkeit die Füße hochzulegen? Dem widerspricht Rasmus Andresen: „Ein armutsfestes bedingungsloses Grundeinkommen gibt Menschen soziale Sicherheit und die Möglichkeit sich kreativ zu entfalten. Ich glaube nicht, dass Menschen dann nichts mehr machen und ausschließlich zu Hause Netflix chillen. Für viele ist das bedingungslose Grundeinkommen auch die Möglichkeit von ihrer Arbeit leben zu können – ohne Aufstockung durch staatliche Hilfen und ohne das verbundene gesellschaftliche Stigma.

Die Regierung in Schleswig-Holstein hat sich im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, eine Umsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens zu prüfen. Unser Publikumsvoting an dem Abend hatte sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen. Mutig neue Wege gehen, innovativ und kreativ Lösungen finden, Vorreiter sein für eine gerechtere und ökologischere Zukunft. Das Land Schleswig-Holstein kann zum Vorreiter werden. Die yooweedoo Projekte zeigen, dass es bereits geht.

Fotos von Sarah Heider

Sarah Heider

Kieler Sprotte mit Fernweh. Kiel ist mein Heimathafen. Ich freue mich darauf, die vielen kreativen, nachhaltigen Ideen der Region bekannter zu machen.