Auf der grünen Welle reiten…

Als wir das Geschäft des Greenroomproject betreten, werden wir direkt mit einem freundlichen „Moin“ begrüßt. Der Blick schweift durch den kleinen Laden und bleibt an verschiedenen Ecken hängen. An den sportlichen Kleidungsstücken, den Skateboards, die an der Decke in ihren Halterungen zu schweben scheinen und natürlich an den Surfboards. Alles sieht aus wie in einem normalen Surfshop, doch schaut man genauer hin, stellt man fest, dass dieser viel mehr zu bieten hat.

„Wir wollten einen Surfshop machen, der ein bisschen was zurückgibt!“

Das Greenroomproject gibt es seit 2010 in Kiel. Im Geschäft sowie auch online auf der Homepage findet man viele nachhaltig und fair produzierte Artikel aus verschiedensten Bereichen rund um das Thema Surfen, Snowboarden und Skaten.

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Der Name ist Programm – Greenroom bezieht sich zum einen auf die Umweltfreundlichkeit, hat zum anderen aber auch eine andere Bedeutung, welche eingefleischten Surfern ein Begriff ist. So ist der Greenroom das innere der Barrel, wenn eine Welle hohl bricht und in der Mitte für Sekundenbruchteile einen Tunnel aus Wasser formt. Durch die Reflexion der Sonne und des Wassers erscheint das Innere des Tunnels meist grün.

Aber warum auf Umweltfreundlichkeit im Bereich Surfsport setzen? „Wir Surfer, die viel durch die Gegend fliegen auf der Suche nach guten Wellen, hinterlassen einen nicht so guten C02-Fußabdruck“, gibt Stefan zu.

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Zusammen mit seinem Geschäftspartner Malte hat Stefan daher das Greenroomproject ins Leben gerufen. Das große Ziel ist es, die Menschen dazu anzustoßen mehr auf die Umwelt zu achten. „Mehr umweltfreundliche Sachen kaufen, ein wenig mehr Geld für Produkte ausgeben, von denen man dann jedoch auch länger etwas hat und dadurch vielleicht auch ein bisschen weniger zu konsumieren“, so Stefan.

„Wir haben’s einfach gemacht!“

Viele Produkte in den meisten Surfshops sind nicht allzu umweltfreundlich. „Neoprenanzüge und auch die Boards in ihrer Herstellung“, erklärt Stefan. Als dann 2005 das Thema des Umweltbewusstseins intensiver in den Medien behandelt wurde, regte dies auch Stefan und seinen Geschäftspartner zum Nachdenken an. Es kam die Idee auf, auf umweltverträgliche Materialien zu setzen und es entstand das Greenroomproject. Mit seiner Nähe zur Holtenauer Straße und dem benachbarten Café do Sul, in dem auch viele Surfer verkehren, hat das Geschäft einen guten Standort.

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„Nach kleinen Hindernissen in der anfänglichen Zeit, läuft es seit den letzten zwei Jahren sehr gut“, erzählt Stefan mit einem stolzen Lächeln. Er verbindet viele schöne und glückliche Momente mit dem Greenroomproject, wie etwa die große Eröffnung. Aber auch die vielen Events und Projekte, die in Verbindung mit dem Geschäft ins Leben gerufen werden konnten. So gab es einen Skatercontest, um auch das Longboarden populärer und auf die im Geschäft angebotenen Longboards aufmerksam zu machen, welche in Deutschland produziert werden.

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„Ich  bin jedes Jahr auf Lanzarote und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer mit dem Plastikmüll an den Stränden“, erzählt Stefan. So wurden zusammen mit der Surfrider Foundation Beach Cleanups organisiert, um die hiesigen Strände von dem ganzen Müll zu befreien.

„Das Greenroomproject ist ein Entwicklungs- und Lernprozess.“

Als es um die Auswahl der Marken ging, die im Greenroomproject angeboten werden sollen, musste mit der Zeit erst ein wenig Erfahrung gesammelt werden. In diesem Rahmen hat sich Stefan auch persönlich intensiver mit dem Thema Umweltfreundlichkeit auseinander gesetzt. „Das eigene Umweltbewusstsein hat sich mitentwickelt. Ich schaue auch privat mehr auf die Materialien und die Umweltfreundlichkeit“, erklärt Stefan.

Wichtige Marken, die im Laden angeboten werden, sind unter anderem Kun_tiqi, Firewire oder Patagonia. Die von Kun_tiqi produzierten Surfboards sind Vollholzbretter und bestehen aus Balsaholz, einem nachwachsenden Rohstoff. Sollten diese einmal kaputt gehen, sind sie in der Entsorgung sehr umweltschonend, da sie aus Holz bestehen.

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„Im Herbst kommt eine der größten Revolutionen, seit das Greenroomproject existiert.“

Auch die Marke Patagonia legt viel Wert auf die Umwelt. Da Neoprenanzüge meist aus Erdöl produziert werden, sind diese nicht besonders umweltverträglich. Doch jetzt steht mit Yulex Wetsuits eine kleine Revolution bevor. Yulex wird aus der zähen Wüstenpflanze Guayule gewonnen. Nach einem langen Forschungs- und Entwicklungsprojekt hat es Patagonia geschafft aus Guayule– Kautschuk ein geeignetes Neoprenmaterial herzustellen. Dadurch wird in der Produktion die Umwelt erheblich weniger belastet als bei der herkömmlichen Produktion.

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„Es wäre schön, andere zu inspirieren!“

Für die Zukunft wünscht sich Stefan, dass das Greenroomproject noch erfolgreicher wird. Die Menschen sollen dadurch inspiriert werden auch in anderen Geschäften umweltfreundlichere Produkte anzubieten. „Man muss nicht sein komplettes Sortiment umstellen“, sagt Stefan, „aber wenn  nur ein kleiner Prozentanteil aus nachhaltigen Materialien hergestellt wird, ist das schon ein großer Erfolg.“ Der Umwelt kann dadurch in kleinen Schritten wieder etwas zurück gegeben werden, so wie es auch das Greenroomproject mit seiner Mitgliedschaft bei 1% for the planet tut. Dabei wird 1% des Umsatzes jährlich an eine Umweltorganisation gespendet. So geht das Greenroomproject mit gutem Beispiel voran.

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Fotos von Justin Russell

Naomi Kießling

Naomi Kießling

Ich bin im Norden aufgewachsen. Für mein Studium zog es mich dann nach Kiel und mich begeistert nicht nur die Nähe zum Wasser, sondern auch die Vielfalt an Menschen und Projekten, die Kiel zu bieten hat.