Auf zu neuen Wegen!

Nach der Schule stellt sich für alle die große Frage: Wo soll es hingehen? An die Uni oder eine Ausbildung starten? Wenn die eigenen Eltern kein Studium absolviert haben, gibt es oftmals viele offene Fragen. Melanie, Mentorin bei Arbeiterkind.de in Kiel, kann dazu viel aus eigener Erfahrung erzählen. Wir treffen sie auf einen Kaffee im JuMe, dem Stammlokal der Initiative.

“Jeder soll die Möglichkeit bekommen, seine Ausbildung selber zu wählen!“

„Oftmals fehlt es Schüler und Schülerinnen, aus nicht-akademischen Haushalten an Informationen und Vorbildern zu einem Universitätsstudium,“ erklärt Melanie. Genau hier setzt die Initiative Arbeitkind an. „Wir möchten alle, die gerne studieren wollen und die notwendigen Qualifikationen mitbringen, unabhängig von sozialer Herkunft, unterstützen,“ beschreibt Melanie die Vision der Initiative.

file_1024x683_026669

Es werden Schulvorträge, Infoveranstaltungen bei Messen, ein jährlicher Stipendientag an der Universität Kiel, ein monatlicher Stammtisch, Eins-zu-Eins Betreuung durch Mentoren sowie Beratung per Mail oder Telefon angeboten. Melanie und das Team von Arbeiterkind Kiel beantworten Fragen zum Studium, unterstützen bei der Planung, informieren über Finanzierungsmöglichkeiten, teilen Erfahrungen und „versuchen Vorurteile und Ängste zu mindern“.

 

„Bei den Fragen der Schüler kommen viele Erinnerungen hoch“

Melanie weiß wie es ist, von Zuhause nur bedingt beim Studium unterstützt zu werden, denn auch ihre Eltern haben nicht studiert.  “Zu Beginn des Studiums ist jeder hilflos, doch was für mich dazu kam, war, dass ich Zuhause niemanden  fragen konnte.” Sie erkannte auch, “dass ich in vielen Bereichen nicht dieselben Voraussetzungen wie meine Kommilitoninnen mitbringe und diese es in manchen Punkten leichter haben.“ Auslands-Erfahrungen während der Schulzeit, Unterstützung bei Hausarbeiten oder Finanzierung des Studiums durch die Eltern waren bei ihr nicht möglich.

file_1024x683_026727

Arbeiterkind gab es zu diesem Zeitpunkt in Kiel noch nicht, doch Melanie hatte das Glück einen Mentor bei der Fachschaft zu finden, der Fragen beantwortete und Unterstützung bot, wo die Eltern nicht weiter wussten.

Erst nach ihrem Studium stieß sie auf die Initiative Arbeiterkind in Kiel und nahm begeistert an einem Stammtischtreffen teil. „Hier habe ich bemerkt, dass es  vielen Menschen genau so geht, wie mir zu Beginn meines Studiums.“ Die Initiative bot ihr die Möglichkeit sich über Themen austauschen und Probleme zu besprechen, die sie mit Freunden aus akademischen Familien oftmals nicht teilen konnte.

Seit fast vier Jahren ist Melanie nun bei der Initiative engagiert, um ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiterzugeben und Unterstützung anzubieten.

file_1024x683_026582

Austausch in lockerer Atmosphäre

Der monatliche Stammtisch findet im JuMe statt. Dort werden häufig brennende Fragen wie: „Bin ich überhaupt in der Lage zu studieren? Kann ich mir das leisten?“, oder: „Werde ich das schaffen?“ mit Mentoren, Studierenden und Doktoranden diskutiert. “Wichtig ist uns einen Ort zu schaffen, wo man sich ungezwungen austauschen kann,” beschreibt Melanie die Stammtischtreffen. Zusätzlich zu diesen offenen Veranstaltungen, können sich Schülerinnen und Schüler auch an Mentoren der Initiative wenden, um über einen längeren Zeitraum Betreuung zu erhalten, oder auch beispielsweise gemeinsam mit den Eltern Fragen bezüglich eines Studiums zu klären.file_1024x683_026603

„Jeder, der möchte, kann Mentor werden“

Bei Arbeiterkind in Kiel sind im Kernteam zehn bis fünfzehn Ehrenamtliche aktiv, bei Veranstaltungen unterstützen weitere zwanzig Leute die Initiative regelmäßig. Jeder kann Mentor werden, der Lust hat, sich ehrenamtlich zu engagieren. Ganz gleich ob ohne oder mit akademischem Hintergrund. „Wir freuen uns auf viele weitere Mitglieder,“ ermuntert Melanie. Um auf die diversen Mentor-Tätigkeiten wie Schulvorträge oder Eins-zu-Eins Mentoring bestens vorbereitet zu sein, bietet Arbeiterkind verschiedene Workshops an, die bei Bedarf besucht werden können.

Für die Zukunft hofft Melanie,, „dass die Initiative noch bekannter wird und wir für das Thema in der Gesellschaft mehr Verständnis und Unterstützung bekommen.“

Damit für alle Schülerinnen und Schüler sicher ist: die Wahl der Ausbildung hängt an Qualifikationen sowie persönlichen Interessen und nicht an der Ausbildung der Eltern.

Fotos von Max Bischof

 

Irina Bartmann

Irina Bartmann

Um meinen Master in "Sustainability, Society and the Environment" an der Uni Kiel zu machen, habe ich Bergluft gegen Ostseebrise getauscht. Seit 2016 bin ich Projektmitarbeiterin bei yooweedoo. Ich bin begeistert von den vielen inspirierenden Projekten und Start-Ups die ich bei meinen Interviews kennenlerne.