Beespaces schaffen Lebensräume für Bienen

„Bienen brauchen Blumen.“ steht auf den gelb-grünen Flyern des Projekts Beespaces, die Ursula und Elena auf dem Tisch ausbreiten. Auf die Rückseite ist ein Tütchen mit Samen getackert. Darunter stehen Tipps und Tricks für die Aussaat geschrieben. „Das ist eine spezielle Samenmischung“, steigt Ursula direkt ins Gespräch ein, „die Tracht, also das Futter für Wildbienen, Insekten, Hummeln und Bienen, reicht über die ganze Saison.“ 

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Der Beutel enthält über 40 nektarbildene Wildkräuter. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung stehen zwischen Februar und November den Bienen Blüten zur Verfügung. „Wir wollen zum einen die Vielfalt der Pflanzen und zum anderen die Zeiträume verbessern“, erklärt Elena, „das ist besonders wichtig für Wildbienen, die eine kleinen Radius haben, in dem sie sich bewegen“.

„Wir schaffen Nahrung für Bienen“

In Imkerkluft und mit Flyern, die sich in den Bauchläden stapeln, stapfen Elena und Ursula mit ihrem Team so durch die Straßen der Stadt Lorsch. Auf dem Ärmel der weißen Anzüge ist das yooweedoo Logo aufgenäht. Die Förderung des Ideenwettbewerbs ermöglicht es ihnen 1000 kostenlose Saatgutbeutel an Einwohnerinnen und Einwohner zu verteilen. Außerdem sprechen Beespaces gezielt Firmen an, damit nicht genutzte Plätze in Blühwiesen umgewandelt werden. „Eh da-Flächen“ nennen das die beiden. Der örtliche Golfclub hat ganz schön viele davon und legt direkt eine Probefläche an. Für die Kooperationspartner ist der Aufwand gering. „So eine Wiese muss nur einmal im Jahr gemäht werden“, erklärt Ursula.

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In Lorsch haben Bienen Tradition

Das Kloster Lorsch ist UNESCO-Weltkulturerbe und wichtige Plattform für die Imkergruppe. „Das Kloster schleudert und füllt den Honig für uns ab“, zählt Elena auf, „es verkauft ihn im Museum, verarbeitet einen Teil zu Hustensaft weiter und nutzt den Wachs für pädagogische Zwecke.“ Zu drei wichtigen Festen, dem Lorscher Bienen- und Dichtertag, dem Bienensonntag und dem Tag der Imkerei, ziehen die Beespaces durch die Straßen und kommen mit den Lorscher Bürgern ins Gespräch. „Ein Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist der Lorscher Bienensegen“, weiß Ursula zu berichten, „eine sehr alte Schrift, die die Bedeutung der Bienen für die Stadt verankert“.

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„Unser Honig wird zwar vermarktet, aber wir fügen unseren Bienen keinen Stress zu.“

Dem Team ist wichtig, ökologische Richtlinien einzuhalten. „Die Bienengesundheit in Deutschland ist recht gut“, berichtet Ursula, „die meisten Imker sind Hobbyimker, die ihre Bienen nicht wegen des Ertrags ausbeuten“. Ursula selbst imkert schon seit 10 Jahren. Hauptberuflich ist sie Betriebswirtin, Elena Studentin. „Ich investiere all meine Freizeit in die Imkerei“, sagt Ursula lächelnd. Das bedeutet auch, zwischen Mai bis Juli nicht in den Urlaub zu fahren, denn dann fällt die meiste Arbeit an. „Die Imkerei ist eine unglaublich nachhaltige Sache“, Ursula steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, „es gibt so viele Kreisläufe, die durch Bienen getragen werden“.

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Imkerei ist kein leichtes Hobby. Großes Wissen ist Voraussetzung. Es braucht auch ein bisschen Mut, um ruhig zwischen den schwirrenden Tieren zu arbeiten. „Wenn man einmal die Bienen im Sonnenlicht vor dem Flugloch tanzen sieht, dann kann das einen nur begeistern.“ Ursula lächelt übers ganze Gesicht.

„Das Hobby ist ansteckend und man lernt nie aus“

Die Imkergruppe bildet auch neue Imkerinnen und Imker aus. In die Imkerei einzusteigen ist gar nicht so einfach: „Das Hobby ist mit hohen Kosten verbunden“, erklärt Elena, „unser Ziel ist es, in Zukunft Materialien anzuschaffen, die wir verleihen können“.

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Man muss nicht gleich Imker werden, um einen Teil zur Erhaltung gesunder Ökosysteme beizutragen. Durch die Aussaat der Samentütchen kann jeder Monokulturen im ländlichen Raum entgegenwirken. „Wir haben die Leute gebeten, dass sie uns Fotos von dem Ergebnis der Blumensamen schicken, die werden auf Facebook geteilt“, sagt Elena und zeigt erste Einsendungen auf ihrem Handy. Auch die Lorscher, die nicht aktiv mitmachen, profitieren vom Projekt Beespaces. „Die Bienenwiesen sind ein Augenschmaus für die ganze Region“, sagt Ursula und strahlt.

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„Ich bin keine Honigfrau sondern eine Bienenfrau“

Der Honig steht nicht als Endprodukt im Fokus des Projekts. „Die Hauptsache sind die Bienen und die Bienenweideflächen“, berichtet Ursula, „wir brennen einfach für diese Tiere“. Dann verwundert es auch nicht, dass Ursula und Elena keine besonders großen Honigesser sind. Obwohl das goldgelbe Produkt der Beespaces köstlich schmeckt. 120 Liter haben sie dieses Jahr bei der ersten Ernte erzeugt.

Bienen haben ein gutes Image, insbesondere in Lorsch. Das positive Feedback, das Elena und Ursula beim Verteilen der Flyer bekommen, ist „beflügelnd“. Die Verteilung und der Kontakt zu den Bürgern ist dann Ursulas ganz persönlicher Lieblingsmoment: „Das schönste ist, wenn die Leute uns sagen, wie toll das Projekt ist und begeistert reagieren“.

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Fotos von Felix Wenning, Christoph Corves und Beespaces 

 

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.