Caté – Oh wie wach macht Panama!

Zwei Norddeutsche wollen Wachrütteln – mit einer Limo, so stark wie zwei Espressi. Dafür nutzen sie ein unterschätztes Abfallprodukt der Kaffeewirtschaft: die Kaffeekirsche. Eine runde Sache…


‚Hier probier mal!‘ Die Geschichte von Caté beginnt vor mittlerweile acht Jahren auf einer Kaffeeplantage. Nach seinem Ingenieurs-Studium macht Bastian Muschke eine Reise durch Südamerika. Aus Neugier besucht er auch eine Kaffeeplantage: Leuchtend rot baumeln dort olivengroße Früchte von den Kaffeebüschen. Sie umschließen das zweitmeist gehandelte Produkt der Welt: Kaffeebohnen. Allein in Deutschland trinkt jeder durchschnittlich 162 Liter Kaffee im Jahr – so viel wie in eine Badewanne passt.

Gut Kirschen essen

Zur Herstellung des beliebten Heißgetränks werden die Bohnen im Herzen der Kaffeekirschen geerntet und von eben diesem Fruchtfleisch befreit. Der Kaffee wird verkauft, das Fruchtfleisch bleibt zurück. Doch die Kaffeebauern, die Bastian ihre Plantage zeigen, wissen: Das Fruchtfleisch ist keinesfalls nur ‚Verpackung‘ der Bohne. Sondern schmeckt richtig lecker und hat sogar noch mehr Koffein als der Kern. Traditionell werden in vielen Kaffeeanbau-Ländern Kaffeekirschen pur vom Baum genascht oder aber getrocknet zu Pulver gemahlen, das sich wie Tee aufgießen lässt. „Doch durch die Intensivierung der Landwirtschaft ist dieses Wissen vielerorts verloren gegangen“, weiß Bastian, „mittlerweile werden die allermeisten Kaffeekirschen einfach weggeschmissen.“ Das ist nicht nur Verschwendung von Rohstoffen, sondern geht häufig mit negativen Umweltauswirkungen einher: „Meist wird das Fruchtfleisch sehr wasserintensiv von den Bohnen gewaschen“, erklärt Bastian, „dabei bleibt ein Schmodder wie in einer Kläranlage übrig, der dann wiederum in Flüsse gekippt wird“.

„Wie wollen die Kaffeewirtschaft revolutionieren“ (Bastian Muschke)

Genau da setzen Bastian Muschke und sein langjährigen Schulfreund Bastian Senger an. „Kaffeeanbau und -handel ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. Doch kaum jemand macht sich Gedanken über die Umweltfolgen und sozialen Nachteile. Da ist ein riesiger Hebel für Veränderung“, sagt Bastian. Zusammen gründen die Freunde das Sozialunternehmen Caté, um ein Erfrischungsgetränk aus Kaffeekirschen nach Deutschland zu bringen. „Wir wollen etwas mit Wert machen“, erklärt Bastian, „die Kaffeewirtschaft revolutionieren: sie ökologischer, klimafreundlicher und wasserneutral machen und gerechte Löhne zahlen. All das können wir leisten, in dem wir Reste nutzen“.
Damit hat sich Caté der Kreislaufwirtschaft verschrieben: Ein Konzept, das einen Gegensatz zur herrschenden Linearwirtschaft, auch Wegwerfwirtschaft genannt, bildet. Denn Kreislaufwirtschaft hinterfragt die gängige Vorstellung von Abfall – und verknüpft stattdessen Material- oder Nährstoffe zu regenerativen Kreisen.

„Entwicklungshilfe in cool“ (Bastian Muschke)

Indem Caté das vermeintliche Abfallprodukt ‚Kaffeekirsche‘ nutzt, wird ein zusätzliches Einkommen ermöglicht – für Farmer umweltfreundlicherer Plantagen. „Denn nur Kaffeekirschen von ökologischen Farmen lassen sich bedenkenlos weiterverwenden. Sie kommen ohne Pestizide aus, die ihren Weg sonst direkt in die Limonade finden würden“, erklärt Bastian, „so werden die gefördert, die es sonst in der Kaffeewirtschaft schwer haben, sich gegen die Preise von konventionellen Plantagen zu stemmen.“
Das Team bezieht Kaffeekirschen als Direktimport – aus Südamerika und Afrika, ihr Hauptpartner ist eine Farm in Panama. Die Plantagen tragen die dortigen Öko-Siegel. „Momentan arbeiten wir zusammen mit den Kaffeebauern daran, dass Caté auch das EU-Bio-Siegel bekommen kann“, erklärt Bastian. Und das Team hat noch mehr vor: „Wir wollen als Unternehmen CO2-positiv werden“, erzählt Bastian von den Zukunftsplänen, „dafür investieren wir in lokale Projekte und regen Wissensaustausch an, wie etwa für Solaranlagen auf Kaffeefarmen oder auch auf Krankenstationen in Anbauregionen. Das ist Entwicklungshilfe in cool“.

„Man braucht nur etwas Mut und eine Vision“ (Bastian Muschke)

Doch wie fing alles an? Nach der ersten Idee konnten die beiden Freunde lange nur nebenbei am Konzept von Caté arbeiten. Mit Kaffeekirschen, Wasser und Rohrzucker experimentierte das Duo – bis sie ein Erfrischungsgetränk entwickelt hatten, ähnlich einer Fassbrause, doch so stark wie zwei Espressi. „2015 haben wir dann angefangen nach Feierabend und am Wochenende neben unseren Jobs die erste Produktion vorzubereiten“, erklärt Bastian, „für die Anfänge war das ideal, weil wir unsere Idee ohne finanziellen Druck entwickeln konnten. Doch nach etwa einem Jahr war uns klar: Wir müssen uns jetzt entscheiden, ganz oder gar nicht.“
Die zwei Freunde entschieden sich für: ganz. Sie kündigten ihre Stellen und widmeten sich Vollzeit Caté: „Es war direkt viel mehr Power, viel mehr Wumms dahinter“, erklärt Bastian, „anfangs steckten wir all unsere Ersparnisse in Caté, doch wir brauchten eine größere Finanzierung für unsere erste Produktion.“ Das Duo entschied sich, nach einem passenden Investor zu suchen. „Da jemanden zu finden, der unsere Vision versteht, und auch, dass sie uns wichtiger ist als Profit, war gar nicht so einfach. Da haben viele Interessenten nur die Augenbrauen hochgezogen“, erinnert sich Bastian, „auch wollten wir nicht zu viele Anteile abgeben, um unseren Einfluss nicht zu verlieren. Doch letztlich hat sich was Passendes ergeben“. Seit einem Jahr ist Katjesgreenfood mit 20 Prozent an Caté beteiligt. „Das ist so ein Beispiel dafür, dass man besonders bei Projekten und Start-ups im nachhaltigen Kontext einen langen Atem braucht“, sagt Bastian, „doch ich kann jedem eine Gründung empfehlen, der eine Idee hat und etwas zum Besseren bewirken will. Man braucht nur etwas Mut und eine Vision.“

Fotos von Caté goods GmbH

Lea Jahneke

Lea Jahneke

Mich hat Kiel mit seinen engagierten Menschen und spannenden Projekten (im wahrsten Sinne) im Sturm erobert, als ich für meinen Master herzog. Ich freue mich mit Funkenzeit von diesen inspirierenden "Funken" zu berichten.