So gar nicht auf dem Holzweg!

Umweltfreundlich, sozial und kreativ – Auf diesen drei Säulen basiert das Konzept der Werkstatt Konsum, erklärt uns Mona, die wir in den Räumen der Alten Muthesius treffen.

Es riecht nach frischer Farbe und Holz, als wir den Raum der Werkstatt betreten. In der Halle sieht alles ein wenig improvisiert aus: Alte Schultische dienen als Werkbänke und in den Regalen wird versucht, elektronische Werkzeuge von Hammern und Schrauben zu trennen. Im Gegensatz zur Halle, wirkt das Holzlager eher chaotisch und vollgestopft. “Wir versuchen immer mehr eine Ordnung zu schaffen, aber das ist eher ein Prozess”, so Mona. “Was aber schon richtig gut läuft, ist die Mülltrennung, das ist den Nutzern wichtig.”

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„Die Idee ist entstanden, weil wir dachten, das fehlt in Kiel!“

Im Changemaker Kurs an der Uni hat Mona zusammen mit vier Kommilitoninnen die Idee einer offenen Holzwerkstatt entwickelt. Jeder der Lust hat, sollte sich hier austoben können. Aus gebrauchtem und gespendetem Holz können alte Möbelstücke repariert oder eigene Ideen verwirklicht werden. „Uns ist der Spirit wichtig, dass jeder so viel gibt wie er mag“, so Mona. Die Werkstatt freut sich über jede Spende an Holz, Werkzeugen oder Schrauben.

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“Der Bedarf ist da!”

Als nach der Konzeptentwicklung die Förderung des yooweedoo Ideenwettbewerbs kam, wurde die Idee einer Werkstatt direkt in die Tat umgesetzt. „Wenn man sich anguckt wie viel hier Sonntags nachmittags los ist zeigt das, dass der Bedarf einfach da ist.“ Anfangs kamen vor allem Freunde, das hat sich nun verändert. Die Gruppe der Nutzer, die donnerstags und sonntags an den Arbeitsplätzen werkelt, ist bunt gemischt.

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„Die, die tatsächlich noch auf sich warten lassen, sind die hilfsbereiten Rentner.“

„Wir haben am Anfang gemutmaßt, dass wir bestimmt hilfsbereite Rentner antreffen, die mal Handwerker oder Schreiner waren, und die die Werkstatt hier mit Leben füllen und ihr Wissen weitergeben. Aber es ist ganz anders gekommen: wir haben viele ältere Damen und Studenten, die hier gerne helfen. Die, die tatsächlich noch auf sich warten lassen, sind die hilfsbereiten Rentner.“

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“Im Vordergrund steht der Spaß an der Sache.”

Nicht nur die Werkstattnutzer sind gemischt. Auch die Zusammensetzung des Teams hat sich seit der Gründung verändert. Von den vier Mädels, die von Beginn an dabei waren, sind noch drei aktiv. Dafür sind drei weitere Jungs dazu gekommen. „Es kommen immer wieder Leute, die für eine bestimmte Zeit mitmachen“, erklärt Mona. Feste Aufgaben im Team gibt es nicht, jeder kann machen, worauf er oder sie gerade Lust hat.

Im Vordergrund steht der Spaß an der Sache, der für Mona überhaupt erst die Idee hervor gebracht hat: „Ich arbeite total gerne mit Holz. Das ist ein toller Rohstoff, der so viel Leben in sich hat. Ich hatte einfach total Lust auf eine Werkstatt und finde gerade den Gedanken einer offene Werkstatt sinnvoll, weil nicht alle Werkzeuge selbst gekauft werden müssen und auch nicht jeder so viel Platz zur Verfügung hat.”

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“Wir laufen immer wieder auf Deadlines zu.”

Der Platz ist eines der Hauptprobleme, mit dem die Werkstatt auf lange Sicht konfrontiert ist. „Schwierig ist, dass wir nicht genau wissen, wie es weiter geht, da wir immer wieder auf Deadlines zu laufen. Das ist vor allem schwierig, weil wir so viel Arbeit und Herzblut reinstecken.” Mona ist vom Raum, der früher schon einmal eine Werkstatt war, begeistert. In der Alten Mu sammeln sich kleine und größere Projekte zu unterschiedlichsten Themen an und schaffen eine kreative und sehr besondere Atmosphäre. “Wir fühlen uns richtig wohl neben den vielen tollen Projekten hier Teil der Alten Mu zu sein. Und auch, dass wir den Raum zum Beispiel mit dem Fahrradkino teilen müssen, klappt total gut.”

Die Räumlichkeiten der Alten Mu stehen zur Zwischennutzung zur Verfügung. Wie die Räume langfristig genutzt werden, steht noch nicht fest. Mona ist aber optimistisch: “Bisher hat es mit den Deadlines immer geklappt und wir sind total dankbar hier zu sein.“ Denn die zentrale Lage, geringe Kosten und genügend Platz, zur Lagerung und zum Arbeiten, ist eines der Hauptansprüche an den Standort.

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Mona und ihre Teammitglieder haben seit der Gründung eine Menge Herzblut in die Werkstatt gesteckt und sind selbst handwerklich aktiv geworden: „Ich habe tatsächlich ziemlich viel zu Hause, was ich selbst gebaut und repariert habe, was aus der Werkstatt kommt und meinen Alltag prägt.“ Da wird klar, dass die Werkstatt nicht nur ein Projekt, sondern auch fester Bestandteil des Kieler Alltags geworden ist. „So wie es jetzt ist, habe ich es mir gewünscht. Es muss gar nicht perfekt sein oder auf ein Ziel hinauslaufen, sondern es soll sich einfach durch die Leute entwickeln. Wir haben das Werkzeug, das man braucht. Und ansonsten war es mir wichtig, dass hier eine gute Atmosphäre herrscht und sich hier jeder wohlfühlt.”

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„Was ich mir wirklich wünschen würde ist, dass wir eine langfristige Perspektive für den Raum bekommen, aber auch für’s Team.“

Denn persönlich weiß Mona noch nicht, wie es zukünftig weitergeht. „Ich bin tatsächlich nur für das Studium her gekommen und das ist jetzt wahrscheinlich Ende des Jahres vorbei.“ Wo es danach hingeht, ist unsicher, auch wenn ihr Herz an dem Projekt hängt. Und so geht es auch einigen anderen Teammitgliedern. „Mein Wunsch wäre, dass – wenn wir irgendwann weg sind – sich jemand neues findet der hier Arbeit reinsteckt und vielleicht auch das ein bisschen anders handhaben will, aber diese Grundidee am Leben hält.“

Deshalb freut sich die Werkstatt über neue Leute, die Lust haben mitzumachen und ihre persönlichen Ideen einfließen zu lassen. Besondere handwerkliche Fähigkeiten sind nicht erforderlich. „Wir hatten zu Beginn auch keine handwerklichen Kompetenzen und haben uns das mit der Zeit angeeignet“.

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„Man muss sich darauf gefasst machen, dass es anders kommt als man denkt und sich davon nicht entmutigen lassen.“

Leuten die auch Lust haben, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen, rät Mona zum Abschluss, sich nicht entmutigen zu lassen: „Ich hätte am Anfang nicht geglaubt, dass sich das Projekt tatsächlich so entwickelt, da wir alle mehr oder weniger neu in Kiel waren und nicht wussten, ob das klappt und auch gewollt ist in der Stadt. Und es hat sich echt unglaublich entwickelt, einfach dadurch das wir angefangen haben.“

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.