Ein Ofen für die Gemeinschaft

Ich finde, er ist ein richtiges Meisterwerk geworden. Wer auf dem Weg zur Alten Mu ist oder dort vorbei spaziert, kann ihn gar nicht übersehen. Die Rede ist vom selbstgebauten Lehmofen des Uni-Projekts Backen&Schnacken.

Dort treffe ich die Projektmitglieder, Holly, Aki, Charlotte und Lena an einem schönen Nachmittag, als sie gerade dabei sind eine dritte Schicht auf die Lehmkuppel aufzutragen um den Ofen besser zu isolieren. „Er hat beim Backen zu viel Wärme nach Außen abgegeben,“ erzählt Lena. Das Team hofft, in Zukunft im Ofen mehr Hitze erzeugen zu können und länger Wärme zu speichern.

Während sie mit bloßen Händen, auf sehr geübte Art und Weise, Lehm auftragen, komme ich mit den Projektmitgliedern ins Gespräch.

Das erste, was ich von Lena höre: „Für uns alle ist es das more here – dailycialisuse erste Mal, dass wir mit Lehm arbeiten.“ Wirklich erstaunlich! Da bin ich natürlich sofort neugierig, wie die vier auf die Idee des Lehmofens kamen.

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Ein selbstgebauter Raum

Alle vier studieren den Masterstudiengang „Sustainability, Society and the Environment“ an der CAU Kiel. Bei dem Wahlpflichtkurs „Changemakers und Social Entrepreneurs“ entwickeln die vier ihr Projekt Backen&Schnacken und gewannen ihr Startkapital beim yooweedoo Ideenwettbewerb. „Ich wollte unbedingt etwas mit Brotbacken machen,“ erzählt Holly. Bevor sie sich für Universitätsstudium entschied, machte die gebürtige Kalifornierin bei einer Bäckerei ein Praktikum. „Ich fand es toll, zu lernen wie man eigenes Brot backt.“

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Diese Leidenschaft wollte sie in dem Unikurs wieder aufleben lassen.  Zuerst war die Idee eine Gemeinschaftsbäckerei zu gründen, „doch es erschien uns sehr schwierig einen Raum dafür zu finden.“ Eine weitere Erinnerung zur Hilfe: „Ich habe früher mit Leuten zusammengewohnt, die bereits Dinge aus Lehm gebaut hatten.“ Sie berichtet mir von einer Mediationshütte und einem  kleinen Badezimmer aus Lehm, in dem sich eine Dusche befand.

„Wir machen einen Gegenentwurf zur industriellen Nahrungsmittelproduktion.“

Lena begann aus zwei Gründen für die Idee zu brennen. Zum einen findet sie den Gedanken schön, „hier verschiedene Generationen zusammenzubringen die gemeinschaftlich etwas machen.“ Zu anderen möchte sie traditionelle Rezepte des Brotbackens lernen und weitergeben. „Es ist schade, dass heute Leute einfach in den Supermarkt gehen, um Brot zu kaufen und gar nicht mehr daran denken, dass man es auch selbst backen könnte.“

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Zuhause in Japan, hatte Akis Familie keinen Backofen. Brot wird dort nur im Supermarkt gekauft. Seit er in Europa ist, hat er das Brotbacken für sich entdeckt und experimentiert viel mit schwedischen und deutschen Brotrezepten.

Für ihn war an dem Lehmofenprojekt der Recyclinggedanke besonders wichtig. „Wir haben für das Projekt fast nichts neues angeschafft, sondern haben Dinge verwendet, die wir von der lokalen Bevölkerung bekamen.“ Er ist sich sicher, dass „heutzutage in unserer Gesellschaft bereits alles vorhanden ist und man nichts neues kaufen muss.“

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„Wir haben einfach drauflos gebaut!“

Um den Ofen zu bauen benötigte das Team Steine, Lehm, Sand und Stroh. Diese Materialien bekamen sie günstig, gebraucht oder durch Spenden von Privatpersonen, Baustellen und einem Kieswerk. Nach einigen Überlegungen zum passenden Ort entschied das Team, sich für den Bau des Lehmofens auf dem Gelände der Alte Mu zu bewerben. „Dieser Ort ist perfekt für uns! Es ist uns wichtig zentral zu sein wo die Leute uns gut erreichen können,“ sagt Holly überzeugt.

Vor dem Bau begann das Team sich in die Thematik einzulesen, doch da gab es anfänglich einige Herausforderungen. „Jede Quelle sagte etwas anderes darüber, wie lange die einzelnen Schichten trocknen müssen.“ Dazu kam die mangelnde Erfahrung. „Am Anfang hatten wir ein wenig Sorge, ob wir das hinbekommen werden,“ erinnert sich Lena.

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Doch die vier ließen sich nicht entmutigen und bauten drauf los. Mit Hilfe von Studienkollegen,  engagierten Anwohnern und auch Kindern wurde der Lehmofen an nur zwei Wochenenden und zwei weiteren Bautagen fertiggestellt. „Es war ein richtiges Gemeinschaftsprojekt“, strahlt Holly.

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„Wir müssen unseren Ofen erst kennenlernen.“

Beim ersten Backversuch erlebte das Team eine etwas unerwünschte Überraschung.„Wir haben zu schnell zu heiß befeuert, der Lehmofen bekam davon kleine Risse.“ Aus diesem Grund backten Lena und die anderen an diesem Tag kein Pizzen, sondern kleine Brötchen mit weniger Hitze.

Beim Frühlingsfest der Alten Mu gab es dann das erste öffentliche Anbacken. Dieses Mal haben sie das Feuer behutsamer angemacht. Es gab Ofenkartoffeln, leckere selbstgemachte Sauerteigbrötchen, dazu verschiedene Aufstriche und zum Nachtisch Bananen mit Schokolade gefüllt. Ich war begeistert! Das Brot hatte den herrlichen Geschmack von Stockbroten, die man an gemütlichen Abenden über dem Lagefeuer backt. Dazu die Gaumenfreuden warmer Schokobananen – der Lehmofen hat mich überzeugt!

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Zudem  fiel mir auf, dass auch der soziale Aspekt, das „Schnacken“, hier super funktioniert. Rund  um den Ofen standen die Menschen grüppchenweise und unterhielten sich, während sie auf die Leckereien warteten.

Darüber freute sich Lena auch besonders, denn „ wir waren davor nicht sicher, ob Interesse an so einem Projekt besteht“.

„Wir wollen noch viel experimentieren!“

Das Team hat nun erste Pizzen gebacken. 10 Mini-Pizzen passen gleichzeitig in den Ofen und sie sind bereits nach 10 Minuten fertig. Damit schlägt er auf jeden Fall alle älteren Backöfen, die ich in unterschiedlichen WGs in Kiel kennen gelernt habe. Doch wichtig ist es, den Ofen mehrere Stunden davor einzuheizen, er bleibt danach bis zu 6 Stunden warm.

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Auch Kuchen war schon im Ofen, „der schmeckte lecker, aber  etwas rauchig,“ lacht Aki. Für ihn ist es „eine schöne Erfahrung verschiedene Sachen im Ofen zu backen und so zu lernen, was gut funktioniert“. Bald will er auch japanisches Reisbrot probieren.

Damit auch jeder weiß, wie man den Lehmofen benutzt, wird das Team eine Anleitung aufhängen. Dann ist er für alle, die Lust haben zu backen, jederzeit benutzbar! Bis jetzt muss Holz noch selbst mitgebracht werden, doch Backen&Schnacken hofft, mit einem Baumarkt oder anderen Holzverkäufern in Kooperation treten zu können, um einen großen Holzvorrat zu einem günstigen Preis einzukaufen und bereitstellen zu können.

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Das nächste Mal gemeinsam mit Backen&Schnacken den Lehmofen anheizen, kann man am 16.06. bei ihrer offiziellen Eröffnung des Lehmofens.

Lasst euch die gemütliche Backatmosphäre und die Leckereien nicht entgehen!

Fotos von Akihiro Yasui

 

Irina Bartmann

Irina Bartmann

Um meinen Master in "Sustainability, Society and the Environment" an der Uni Kiel zu machen, habe ich Bergluft gegen Ostseebrise getauscht. Seit 2016 bin ich Projektmitarbeiterin bei yooweedoo. Ich bin begeistert von den vielen inspirierenden Projekten und Start-Ups die ich bei meinen Interviews kennenlerne.