Der Panda im Klopapierregal

Kuschlig weiches Toilettenpapier aus Bambus bringt Leben in deutsche Supermarktregale. Statt Federn oder Kamillenblüten, lacht nun ein bambuskauender Panda auf dem quadratischen Paket.

Verpackt in einem Karton aus recycelter Pappe, bieten Simon und Karsten ihre Alternative zu Premium-Toilettenpapier an. Seidig sanft, reißfest und vegan soll es sein. Hält das Produkt, das die beiden Freunde in China produzieren lassen, was es verspricht? In ihrem Büro in Reinfeld erzählen die beiden bei Kaffee mit Sojamilch ihre Gründergeschichte.

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„Seit den 90er Jahren wird immer weniger Recycling-Toilettenpapier gekauft.“

Simon und Karsten haben die Zahlen des Toilettenpapiermarktes analysiert und erschrocken festgestellt, dass Schätzungen zufolge die Nachfrage nach Recyclingpapier auf 25-30 % geschrumpft ist. Immer mehr Menschen greifen zu Frischfaserpapier, für dessen Herstellung Wälder gerodet werden. Detaillierte Studien gibt es nicht, aber Karsten sieht das kratzige und harte Image von Recyclingpapier als einen Grund für die Entwicklung. „Kaufentscheidungen stehen über Jahre hinweg fest, da kann eine neue Marke Gewohnheiten hinterfragen und verändern.“ Den beiden ist wichtig zu betonen, dass sie nicht mit Recyclingpapieren konkurrieren, sondern ein Frischfaserpapier sind.

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„Unsere Kommunikation ist jung und frech!“

Smooth Panda ist kein Marketing-Gag, sondern bis ins Detail durchdacht. Simon und Karsten haben das Produkt im Geheimen entwickelt und nicht mal Freunden davon erzählt. „Wir wussten, dass wir an einer tollen Idee dran sind“, erinnert sich Simon, „da hätten uns andere mit mehr Budget und Manpower schnell überholen können.“ Als die beiden sicher waren, dass sie Konkurrenten weit genug voraus waren, haben sie Smooth Panda auf der Crowdfunding Seite „Startnext“ veröffentlicht. „Wir nennen das Big Bang“, erklärt Simon die Strategie, „wir stellen uns auf die Bühne und schauen, wie die Menge reagiert“. Die erste große Bewährungsprobe haben sie erfolgreich überstanden. Durch die Crowdfunding-Aktion konnte die Produktions- und Transportkosten der ersten Containerladung Bambustoilettenpapier finanziert werden.

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„Wir müssen noch an vielen Stellschauben drehen, um das Produkt so nachhaltig wie möglich zu machen – aber genau das wollen wir auch.“

Auf der Biofach Messe hat Smooth Panda auch die zweite Bewährungsprobe hinter sich gebracht. „Ich musste mich vielen kritischen Fragen der Händler stellen“, berichtet Karsten. Kritiker hinterfragten Preis und Transportweg.

China als Produktionsland zu wählen, war keine leichte Entscheidung. „Wir sind in China, weil sie einfach das meiste Know-how und natürlich den Bambus haben.“ Um faire Löhne und eine gute Behandlung der Mitarbeiter zu gewährleisten, haben sich Simon und Karsten FSC zertifizieren lassen.

Auch dem Kritikpunkt Preis stellen sich die beiden selbstbewusst: „Plastik ist für uns unannehmbar, wir möchten keine endliche Ressourcen wie Erdöl benutzen und mit Plastikmüll Spuren hinterlassen.“ Verpackungen aus Karton sind allerdings teuer. 4,99 bis 5,99 Euro kosten nun acht Rollen, mit Plastikverpackungen wären es nur 3,50 Euro. Während andere Hersteller das Papier aufplustern, um es weich und vulominös auf einer Rolle aussehen zu lassen, ist Smooth Panda komprimierter. „Gemessen an der Blattzahl je Rolle, bei Smooth Panda sind es 240, sind wir trotzdem nicht teurer als andere Premium-Papiere”, stellt Simon klar. Dadurch wird Platz auf dem Container und in den Läden gespart. Derzeit stehen die beiden in Verhandlungen mit  einer der umweltfreundlichsten Redereien weltweit. So wollen sie im Punkt Transportweg die Ökobilanz des Produkts noch weiter verbessern.

„Vegan mit Sternchen!”

Die Lust, gemeinsam zu arbeiten, war der Startpunkt für das Projekt Smooth Panda. „Karsten ist nicht nur mein bester Freund und Onkel meiner Tochter, sondern ein richtiger Draufgänger und Typ mit guten Ideen, auf die ich selber nicht kommen würde.“ Für Simon stand fest, dass sie zusammen arbeiten müssen. Das war Schritt eins. Der Anspruch, ein veganes und umweltfreundliches Produkt zu entwickeln, war der zweite Schritt. Simon ist Wiederholungstäter. Er hat bereits mit 18 Jahren einen Frühstückslieferservice in Reinfeld gegründet, danach folgte ein Gutscheinportal und schließlich „Veggie Jobs” und „Veggie Sweets”. Nach der Börse für vegane Stellenanzeigen und dem veganen Süßigkeiten Shop ist nun der Hygieneartikelsektor an der Reihe.

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Veganismus ist für Simon mehr als nur Ernährung. Deshalb ist Smooth Panda „vegan mit Sternchen”. Mit dieser Bezeichnung verweisen die beiden darauf, dass keine Waldflächen für ihr Toilettenpapier gerodet und so Lebensräume von wilden Tieren geschützt werden. Außerdem enthält Smooth Panda keine tierischen Bestandteile.

Das Powergras

In Asien wird Bambus schon seit langem als Rohstoff für Toilettenpapier verwendet. „Das geniale an Bambus ist, dass schroffes Gelände, auf dem sonst nichts wachsen würde, für den Anbau genutzt werden kann.“ Weltenbummler Karsten ist während einer Reise in Nordthailand auf das Powergras aufmerksam geworden. Bambus wächst deutlich schneller und hat mehr Zellstoff als Holz. „Die Bauern gehen mit Majeten in die Plantagen und holen die einzelnen Halme heraus“, beschreibt Simon die Ernte. Wird der Bambus schonend beschnitten, kann er 150 statt 50 Jahre lang geerntet werden. „Das sind alles Punkte, die in die Ökobilanz des Produktes fließen sollten.”

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„Gründen ist wie eine Achterbahnfahrt!“

Simons Leidenschaft zum Gründen ist durch seine Familie geprägt: „Mein Papa war Gründer, aber er ist früh gestorben. Das ganze Positive ist mir in Erinnerung geblieben, dass er immer wenig Geld hatte, habe ich erst als Erwachsener verstanden.“ Zurzeit zahlen sich die beiden gerade so viel Gehalt, das sie ihre Krankenkasse davon bezahlen können. „Es wäre schön, ein Nischenprodukt zu bleiben, aber damit können wir nicht überleben.“ Karsten schildert, was nötig ist, um Smooth Panda zu etablieren. Auch wenn kleine Bioläden und Reformhäuser die Basis bleiben sollen, sind sie auf die großen Supermarktketten angewiesen. Wenn in diesen Tagen der erste Container eintrifft, beginnt der Vertrieb. „In Norddeutschland möchten wir Smooth Panda als allererstes flächendeckend anbieten.“ Eine Karte auf der Homepage zeigt dann, in welchen Läden das Papier erhältlich ist. Karsten formuliert sein persönliches Ziel: Viagra soft tabs kaufen „Ich möchte in meinem Wohnort in Oldesloe einkaufen gehen und mein Toilettenpapier dort im Supermarkt stehen sehen.“

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Zukünftig wollen die beiden weitere sinnvolle Bambusprodukte auf den Markt bringen. „Ich möchte zum Beispiel kein Küchenpapier aus Bambus herstellen, weil der Anteil aus Recyclingpapieren hoch genug ist und ein neues Produkt keinen Mehrwert bringt.“ Simon erklärt seine Kriterien und ich stelle fest, wie weit die Jungs denken. Um ein nachhaltiges Produkt anzubieten, müssen ganz schön viele Facetten berücksichtigt werden. „Taschentücher in kleinen Pappschachteln könnte ich mir gut vorstellen, weil Bambus so weich ist“, fährt Simon fort. Ich greife zur Klopapierrolle und mache den Smooth Test. Genauso kuschelig wie der Panda auf der Verpackung aussieht, fühlt sich das Papier auf der Wange an.

„Wir glauben, dass das die geilste Verpackung für Toilettenpapier ist, die wir je gesehen haben.“

Eine große Nachfrage kommt von Unverpackt Läden. „Wenn diese Nachfrage weiter steigt, können wir eine bestimmte Anzahl der Rollen ganz ohne Karton bestellen.“ Simon erzählt von der derzeitigen Marktsituation und verhaltenen Anrufen von Bioladenbesitzern, die so wenig Umsatz mit Toilettenpapier machen, dass sie es am liebsten ganz aus dem Sortiment nehmen würden. „Viele Menschen kaufen Lebensmittel in Bioläden, aber bei Toilettenpapier ist die persönliche Wohlfühlgrenze erreicht, dafür wollen sie nur wenig Geld ausgeben.“ Doch Simon ist überzeugt, dass Menschen Gutes tun, wenn sie die Chance dazu haben: „Wenn du den Konsumenten ein Produkt gibst, was gut für die Umwelt und gleichzeitig nicht teurer ist, werden sie es auch kaufen, das kann aber ein paar Jahre dauern.“ Bis dahin steht noch mindestens eine Imagekampagne an. „Unser Produkt ist einfach anders und darf auch anders präsentiert werden.“ Karsten erzählt von dem Fotoshooting, das die beiden in einem Café vorhaben. „Wir trauen uns, aus dem begrenzten Schatz an Ideen auszubrechen und es mal komplett anders anzugehen.“

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Komplett anders sieht der Karton mit den praktischen Henkeln neben den bläulich-weißen Standard-Plastikverpackungen auf jeden Fall aus. Ein cooler und fast schon süßer Karton, den ich mir gut vorstellen kann, nicht so schnell wie herkömmliches Klopapier im Fahrradkorb verschwinden zu lassen und vielleicht sogar als Geschenk zur nächsten WG-Einweihungsparty mitzubringen.

Fotos von Anne Krischker

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.