Die Allrounder-Dose

Vom Zahnbürstenhalter bis zum Blumentopf – die Holzdose des Projekts Tinkers ist ein flexibler Wegbegleiter. Der Verwendungszweck der aus Ästen gefertigten Dose war ursprünglich ein ganz anderer. Die Dose mit dem Namen „Branch Pak“ sollte die ressourcenschonende Verpackung für Pfeffer werden, den Projektgründer Malte aus Vietnam importieren wollte.

“to tinkers sth.” heißt übersetzt soviel wie an etwas herum tüfteln und basteln. So ein Tüftler ist Malte voll und ganz. Ständig kommen ihm neue Ideen für Produkte und Projekte.

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“Der beste Pfeffer der Welt kommt aus Vietnam”

Die Idee zu Branch Pak bekam der Forstmanagement-Student während eines Praktikums in Vietnam. Dort lernte er durch einen Freund einen Pfefferbauern kennen. “Der frisch geerntete Pfeffer ist eine Wonne”, schwärmt Malte von seinen Erfahrungen im Mekong-Delta. “Ich habe gleich einen Zehn-Kilo-Sack gekauft und mit nach Deutschland genommen.” Der Student wollte den Pfeffer im Freundeskreis verkaufen. Nur fehlte dafür noch die richtige Verpackung. Sie sollte keinen Abfall erzeugen und am besten aus Naturmaterial sein. Bei einem Streifzug durch den Wald kam Malte auf die Idee, die herumliegenden Äste einzusammeln und Löcher hinein zu bohren. So entstanden die ersten Prototypen der hübschen Birkendosen mit Korkdeckel.

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“Die erste Reaktion der Leute ist immer, wie schön die Dose ist”, sagt Malte stolz. Die positive Resonanz verdrängte die Idee mit dem Pfefferverkauf. “Pfeffer aus Vietnam zu importieren ist nicht wirklich nachhaltig”, gibt Malte zu, “zwar arbeiten die Bauern dort ökologisch, aber die Farmen sind nicht zertifiziert”. Zumal setzt der Transport bis nach Eberswalde, dem Standort des Projekts, viel CO2 frei.

Per Zufall lernte Malte auf einer Konferenz in Berlin das Team von yooweedoo kennen. Innerhalb von einer Woche schrieb er “Tag und und Nacht” an dem Antrag für den Ideenwettbewerb und gewann Startkapital für die Umsetzung seiner Idee. Malte suchte sich Mitstreiter und das Team wuchs auf fünf Personen an. Zusammen mit Teamkollegin Uli reiste er zum yooweedoo Summercamp auf Sylt an, wo wir die beiden kennenlernen.

Nach der Förderzusage des Projekts ging es für Tinkers Schlag auf Schlag los: Den Holzvorrat auffüllen, eine Werkstatt herrichten, die ersten Produkte herstellen und möglichst viel Wissen generieren. Die ersten Äste wurden noch per Hand gesägt. Dann besorgte sich Malte einen offiziellen Holzsammel- und Motorsägenschein.

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“Reden, reden, reden – wie in einer Beziehung”

Das Team verbindet eine Freundschaft. Durch ihre unterschiedlichen Charaktere ergänzen sie sich. “Ich bin die Bedenkenträgerin in der Gruppe”, erklärt die Global-Change-Management-Studentin Uli die Rollen im Team. “Malte prescht schnell los, ich ziehe dann an der Leine und schalte noch einmal einen Gang zurück und denke über alles nach.” Die Geheimnisse der guten Team-Kommunikation liegen in der offenen und wertschätzenden Art des Umgangs.

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“Ich möchte Produkte, die 100% selbst kompostierbar sind”

Malte und sein Team  wollen nach dem cradle-to-cradle Prinzip Produkte entwickeln, die dabei helfen, Verpackungsmüll einzusparen. Branch Pak wollen sie deshalb als Behältnis in Unverpackt Läden anbieten. Jedoch ist nicht nur die Müllvermeidung ein nachhaltiges Ziel, auch die Herstellung aus regionalen und nachwachsenden Ressourcen ist umweltfreundlich. “Wir mussten anfangs lernen, Kompromisse einzugehen, bis wir ein rundum recyceltes Produkt anbieten können”, erklärt Uli. Das heißt zum Beispiel, dass das Team eine Alternative für die derzeitig aus Portugal importierten Korkdeckel finden muss. Außerdem müssen Lebensmittelverpackungen in Deutschland versiegelt sein. Die Dose müsste also als Lebensmittelbehältnis in einer weiteren Verpackung stecken. Aber auch dafür hat das Team bereits eine Lösungsidee: Kompostierbare Verpackungen, mit Saatgut bespickt. “Wir können Kreisläufe schließen, wenn die Umverpackungen Birkensamen enthalten und dann irgendwo hingeworfen und kompostiert werden und ein neuer Baum wächst”.

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Dem Team schwirren verschiedene Formen, Funktionen und Baumarten für die Dose im Kopf herum. Sie wollen die Dose nicht nur primär als Behältnis an Unverpackt Läden verkaufen, sondern auch an private Kunden zur individuellen Nutzung. Dann erfüllt sie zwar nicht mehr den Zweck der Verpackungsmüllvermeidung, aber “wir verdienen Geld, das wir dazu nutzen können, um neue Produkte zu entwickeln”. Die Herstellung der Dose soll langfristig Einnahmen erwirtschaften, die dem Team ein kleines Gehalt ausschütten. “Projektarbeit muss Spaß machen und die Möglichkeit bieten, über neue Produkte nachdenken zu können”, sagt Malte bestimmt. Eine neue Idee verfolgt er bereits: Das Biolab. In dem offenen Labor untersucht er die Materialität von Pilzen und forscht nach Möglichlichkeiten, aus ihnen neue Produkte zu entwickeln. Seine meiste Zeit steckt er allerdings in Tinkers. Seine Bachelorarbeit ist eine Zielgruppenanalyse der Dose.

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Fotos von Simon Hollmann und Malte Larsen

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.