Die Ostsee sauber machen

„Das ist mein Ziel bei der ganzen Sache: Die Ostsee sauber machen“, antwortet Tim Staufenberger auf die Frage, was er mit seiner Miesmuschel- und Algenzucht „Kieler Meeresfarm“ erreichen wolle. Tim ist einer, der das Motto „Global denken, lokal handeln!“ von Kiel aus auf den Punkt bringt.

Der Weg zur Meeresfarm

Tim Staufenberger kam per Zufall zur Kieler Meeresfarm. Nach dem Ende einer Forschungsarbeit an der Kieler Christian-Albrechts-Universität lernte er das Projekt 2011 als Praktikant kennen. Von 2009 bis 2012 war die Miesmuschel- und Algenzucht ein von der Bundestiftung Umwelt gefördertes Projekt der Firma „Coastal Research and Management“ (CRM). Nach zweieinhalb Jahren als Angestellter übernahm er die Firma. Im Jahr 2014 gründete und pachtete Tim die Kieler Meeresfarm.

„Ich bin selbstständig. Selbst und ständig. Ich kann selbst und ständig auf die Couch und ich kann selbst und ständig arbeiten .“

Als Selbstständiger schätzt Tim nicht nur die flexiblen Arbeitszeiten. Es freut ihn auch, dass er dort arbeitet, wo andere Leute Urlaub machen – im und am Meer. Er benennt klar den erfolgreichsten Moment und die größte Herausforderung seiner Selbstständigkeit: Den Umgang mit Finanzen. Als Gewinner der Kieler GründerCup 2014 standen ihm 4000 Euro Startkapital zu Verfügung. Er als Wissenschaftler habe aber erst ein Bewusstsein fürs längerfristige Wirtschaften entwickeln müssen.  Nicht nur das musste er lernen: Er und seine drei Mitarbeiter*innen sind Allrounder, die von Rechnungen schreiben bis hin zu Muscheln ernten und Verkauf alles können.

Aquakultur: Gewinn für Umwelt?

Tim sagt über sich: „Ich bin ein Weltretter. Ich bin Biologe. Ich möchte, dass meine Kinder und Kindeskinder noch was vom Meer haben.“ Mit seiner Aquakultur will Tim die Überdüngung der Meere aufhalten und verringern. Die Überdüngung führt zu einem Überangebot an Nährstoffen, was gleichzeitig das Algenwachstum fördert, aber die Bedingungen für andere Lebewesen wie Fisch und Seepferdchen verschlechtert.

Wie die Kieler Meeresfarm die Ostsee sauber macht

Die Miesmuscheln und Algen sind Organismen, die Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff aus dem Wasser filtern. Ein Effekt der Aquakultur ist, dass der Ostsee Nährstoffe entnommen werden, die ihr über Land, z.B. durch Flüsse, hinzugeführt werden. Ein weiterer, dass damit Nährstoffe aufgefangen werden, die sich bereits im Meeresboden abgesetzt haben. Tim betreibt eine offene Form der Aquakultur: Die auf der Farm entstandenen Muscheln können sich frei ins Wasser absetzen.
Die Kultivierung der Muscheln nimmt wenig Platz auf dem Meeresboden in Anspruch. „Ich habe einen Bodenverbrauch von einem Quadratmeter pro 100 Meter Leine, also ein Quadratmeter Boden wird verbraucht für 1000 Kilo Muscheln“, erklärt Tim.
Bei der Kultivierung der Muscheln werden dicke Seile, sogenannte Tampen, ins Wasser gehängt, auf denen sich die Muschellarven absetzen. Nach circa zwei Jahren werden die herangewachsenen Muscheln geerntet. Diese freie, platzsparende Form der Muschelzucht hat weitere positive Nebeneffekte: Durch den geringen Bodenverbrauch können sich in den freiliegenden Bereichen wieder Mikroalgen ansiedeln, die das Wasser mit Sauerstoff anreichern. Des Weiteren bildet die Aquakulturanlage einen Rückzugsraum für Jungfische. Auf diese Weise können sich auch die Fischbestände innerhalb der Kieler Förde regenerieren. Aber nicht nur die Herstellung der Muscheln ist nachhaltig, auch das Produktionsergebnis kann sich sehen lassen.

Genuss aus der Region

Die Kieler Meeresfarm erzeugt nachhaltige Nahrungsmittel: Tims Muscheln sind lokal produziert und werden im Kieler Umland vermarktet. Außerdem ist seine Zucht nach europäischer Öko-Verordnung bio-zertifiziert. Die Kieler Meeresfarm wird auch zu Forschungszwecken genutzt und fertigt Auftragsarbeiten in Form von Gutachten an. Die Kieler Fördemuschel ist ab September 2018 wieder am Thiessenkai und auf den Kieler Wochenmärkten erhältlich.

Amelie Berg

Amelie Berg

Ich studiere an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den Master Internationale Politik und Internationales Rech. Ich kam vor fünf Jahren nach Kiel und seitdem hat sich die Stadt nachhaltig verändert. Diese positiven Entwicklungen möchte ich mit euch teilen.