Dieser Typ rettet für uns die Kieler Woche!

Ein Crêpe Laden zwischen Bayernzelt und Telekom Promotion-Truck. Besoffene Kids die NDR 2 Mainstream Bands feiern. Viel mehr fällt mir nicht ein, wenn ich an Kieler Woche denke. Deswegen gehe ich auch eigentlich nicht hin.

2013 wurde ich überrascht. Auf der Holstenbrücke gegenüber von Mc Donalds ging plötzlich was. Angesagte Dj´s, interessante Workshops und mal etwas andere Drinks. Unser Freundeskreis hatte wieder ein Treffpunkt: Den MUDDI Markt!

 

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Zwei Jahre später sitzen wir mit Lasse Kroll im Werkstattcafé der alten Muthesius. Der MUDDI Markt war seine Idee. Er hat den alternativen und nachhaltigen Markt mit Freunden aufgebaut. “Einfach machen!” sagt er. Probleme sehen und lösen. Genau sein Ding.

 

“Beef” statt Bratwurst

 

Lasse ist in Kiel aufgewachsen. 10 Jahre Breakdanceszene inklusive Straßenshows auf der Kieler Woche. “Wir haben uns einfach mit Schlagzeug und PVC-Boden hingestellt und losgelegt.”

“Das alles wurde dann leider immer weniger und wir hatten immer mehr Ärger mit der Polizei.” Standbesitzer hatten sich beschwert. Wenn Lasse und seine Freunde weiter auftreten wollten, mussten sie das zu bestimmten Zeiten und an einem festen Ort tun. “Nur das hatte für uns nichts mehr mit Kleinkunst zu tun. Straßenkunst lebt doch davon spontan, mal hier und da zu sein!”

 

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2010 war dann ganz Schluss mit den Breakdance Shows an der Förde. Das Bayernzelt hatte sich vergrößert. Lasse war endgültig frustriert. Anstatt gegen Standbesitzer und Stadt zu arbeiten, mischte er das System von innen auf. In einem Praktikum bei Stefan Heitkämper, Betreiber des Bayernzelts, lernte er die Szene rund um die Kieler Woche kennen.

Ausgestattet mit dem richtigen Know-How, konnte es losgehen mit dem MUDDI Markt. Geprägt vom Studium an der Leuphana Universität in Lüneburg sollte das Angebot in Kiel nachhaltig sein. Die Kieler Bürger sollten auf dem MUDDI Markt wieder teilhaben an ihrem Volksfest. Im Gegenteil zur allgemeinen Entwicklung sollten Künstler, Initiativen und privat Leute wieder selbst aktiv werden können. Also genau das, was sonst wegen der hohen Standmieten, gerade nicht möglich ist. “Du kannst ja nur hingehen und das Dargebotene konsumieren oder halt wegbleiben! Mehr Optionen hast du als Besucher nicht.”

 

Geiz ist geil! Auf zum nächsten Preisknaller!

 

Mehr Partizipation der Bürger ist das eine Ziel. Nachhaltige Entwicklung in die Köpfe der Menschen bringen das andere. “Eigentlich ist das Design eine Persiflage auf Penny! Um den Leuten den Spiegel vorzuhalten, dass immer alles billig und jeder Zeit verfügbar nicht unbedingt cool sein muss.” Der Hype um den immer nächsten Preisknaller in den Discounter Katalogen findet Lasse abstoßend.

Der Name MUDDI Markt ist deswegen eine Anspielung auf die alten Tante-Emma-Läden. “Diese Läden stehen für Vertrauen, Tradition und Qualität. Also genau das Gegenteil von dem Discount-Gedanken.”

 

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Lasse lebt schon länger nicht mehr in Kiel. “Nach Berlin hat es mich eher zufällig wegen meiner Freundin verschlagen. Ich mag die Stadt aber inzwischen sehr.” In Kiel ist er, um in einem Workshop den MUDDI Markt 2015 zu planen. “Der MUDDI Markt ist auch viel mit meiner Lüneburg-Connection entstanden. Viele Freunde haben damals Aufgaben übernommen. Die Verbindung zu Kiel ist dabei leider zu wenig entstanden.” Der Verein, der inzwischen hinter dem Projekt steht soll deswegen lokaler verankert werden. “Die Verantwortung und das kreative Potential wollen wir in Zukunft in Kiel haben, sodass wir uns etwas mehr zurücknehmen können.”

 

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Lasses Vision ist, dass der MUDDI Markt langfristig auf die ganz Kieler Woche abstrahlt. “Vielleicht übernehmen ja andere Standbetreiber auch Sachen, die bei uns gut laufen. Seien es Produkte oder auch etwas aus unserem Programm.” Den Partizipationsgedanken möchte Lasse an die ganze Kieler Woche weitergeben. “Insgesamt kommt es ja vielleicht dazu, dass Leute mehr mitbestimmen können, was auf den Bühnen oder zu essen angeboten wird. So würde das Volksfest langfristig auch wieder zum VOLKSfest werden.”

 

“Ich glaub an die Kraft des Positiven!”

 

Spaß haben und von Bühne zu Bühne ziehen. Diese positiven Emotionen will Lasse nutzen. “Wir wollen nachhaltige Entwicklung eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommunizieren. Etwas Positives und Freiwilliges bleibt den Menschen einfach mehr im Kopf!”

Musikfestivals wie das Melt und die Fusion sind für Lasse klare Vorbilder. Auch seine eigenen Erfahrungen bei der Planung des Lunatic Festivals in Lüneburg sind in das MUDDI Markt Konzept eingeflossen. “Vom jungen Publikum werden nachhaltige Produkte auf den Festivals schon stark nachgefragt. Die Öffentlichkeit der Volksfeste hat dagegen das Potential auch Menschen aus Schichten zu erreichen, die bislang noch nicht mit nachhaltiger Entwicklung in Kontakt gekommen sind.”

 

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Im Sommer ist Lasse fertig mit dem Studium. Dann will er den norddeutschen MUDDI Markt nach Berlin bringen. “Wir starten dann mit dem stationären MUDDI Markt. Eine Mischung aus Späti, Bar und Veranstaltungslocation.” Ein Spätkauf mit nachhaltigen und fair produzierten Produkten. “Wenn der Laden dann tatsächlich läuft, ist das Ziel den MUDDI Markt mit einem temporären Konzept auch auf andere Volksfeste zu übertragen.”

 

“Einfach machen!”

 

“So’n Projekt wie MUDDI Markt erweitert einfach den eigenen Denkhorizont. Die Freiheit des Studiums kann man gut mit solch positiven Sachen füllen.” Nur der eigenen Karriere hinterher zu rennen um Leistungspunkte, Praktika und Auslandssemester zu machen, ist für Lasse nicht alles im Studium.

Darum gibt er uns und allen anderen zum Ende des Interviews eine klare Empfehlung: ”Guckt euch im Alltag um! Es gibt genug Dinge die scheiße laufen! Dinge die man verbessern kann. Es gibt in Kiel, Deutschland und der Welt so viele Möglichkeiten ein cooles Projekt an den Start zu bringen. Und wenn ihr eure Mission gefunden habt, sucht euch Leute und macht euch an die Umsetzung!”

 

MUDDI MARKT 2014 // iPhone 5s from flapp // we move images on Vimeo.

 

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