Ein Knopf bringt Licht ins Dunkeln

„Ach herrje, was hast du denn vor?“, war die erste Reaktion auf Simon Hansens Idee: Straßenlaternen per App an- und auszuschalten. Der Einfall kam dem jungen Softwareentwickler als er in seinem ländlichen Heimatort Löwenstedt in Nordfriesland nachts nach Hause lief: „Es war stockdunkel.“ Doch da ging dem Informatiker ein Licht auf: Die „Knoop“-Idee war geboren.

Grünes Licht für eine Idee

Knoop ist Plattdeutsch und bedeutet „Knopf“ und das bringt es auf den Punkt: Straßenbeleuchtung per Knopfdruck auf dem Smartphone anschalten, wann immer man im Dunkeln unterwegs ist. Der Softwareentwickler und Mitbegründer der Firma Sourceboat zweifelte nicht an der technischen Umsetzbarkeit seiner Idee. „Ich bin direkt zum Bürgermeister gelaufen“, erklärt Simon, „er war zwar zuerst verwundert, aber von Anfang an sehr offen.“

Und so begann Simon zu tüfteln. In ihrem jungen Unternehmen Sourceboat, mit Sitz in Flensburg, kann jeder einen Arbeitstag in der Woche zur Innovationsförderung einem eigenen, sogenannten Side-Projekt, widmen: „Dadurch habe ich zwar lange nur einen Tag in der Woche an Knoop arbeiten können“, erzählt Simon. Die Materialkosten von knapp 100 Euro übernahm die neugierige Gemeinde.  Schnell wurde Knoop zu einem „Herzensprojekt“.

Ende 2017 begann die Knoop-Testphase in Löwenstedt – mit Erfolg. „Mittlerweile schalten die Löwenstedter regelmäßig ihre Straßenlaternen ein und aus. 15% der Leute hat die App und jede Woche kommt in etwa ein neuer Nutzer hinzu. Nur manche sind natürlich so jung oder alt, dass sie eher kein Smartphone haben“, schildert Simon.

Schluss mit hochgeklappten Bürgersteigen

Aber auch für Löwenstedter ohne Smartphone führt die Knoop-App zu keinem Nachteil, denn die Straßenlaternen leuchten weiter zu den üblichen Kernzeiten. Die Gemeinden können Kosten sparen, indem sie auf die flexiblere Nutzung umschalten. So muss durch Knoop das Licht in Orten nicht die ganze Nacht durchbrennen und „trotzdem werden die Bürgersteige in dörflichen Gegenden bei Dunkelheit nicht direkt hochgeklappt und die Sicherheit wird zusätzlich erhöht “, erklärt Simon die Vorteile. Technisch seien vor allem die zunehmend zum Einsatz kommenden LED-Lampen prädestiniert für ein unkompliziertes An- und Ausschalten.

Nach den Sternen greifen

Auch die ökologische Perspektive liegt Simon bei seiner Knoop-Idee am Herzen, denn eine bedarfsorientierte Straßenbeleuchtung spart Strom und damit Ressourcen und reduziert die Lichtverschmutzung. „Dunkelheit ist ein Mehrwert auf dem Land, der nicht so offensichtlich ist: Landleben bietet nicht nur mehr Platz und Stille sondern auch einen atemberaubenden Sternenhimmel“, sagt Simon und schmunzelt, „anders als in Orten, wo die Straßenbeleuchtung durchbrennt. Außerdem ist für viele Tiere Lichtverschmutzung ein ernsthaftes Problem“, betont Simon.

Da geht ein Licht auf

Mittlerweile ist Knoop Teil der Firma Sourceboat. „Wir finanzieren Knoop dadurch quer und können es weiter fördern.“ Außerdem ist das Knoop-Team seit Kurzem Preisträger des yooweedoo Ideenwettbewerbs 2018. „Wir freuen uns sehr über das Netzwerk und Feedback durch yooweedoo“, sagt Simon. Denn Netzwerken steht beim Knoop-Team ganz vorne auf der Agenda: „Unsere nächsten, wichtigen Schritte sind Knoop bekannt machen, Akquise und Koordination“, schildert Simon, „wir wollen Knoop in andere Orte bringen, das braucht immer auch Überzeugungsarbeit oder Entscheider mit dem passenden mind set.“ Doch mit zunehmender Medienpräsenz und positiver Resonanz erreichen Simon und seine Kollegen immer mehr Anfragen von ländlichen Gemeinden und Städten in Schleswig-Holstein und sogar dem Ausland. „Lokal wird auch weitergemacht: Wir wollen in Ergänzung zur App einen Knoop-Knopf in der Gastwirtschaft in Löwenstedt installieren.“

Text von Lea Jahneke

Fotos von Knoop

Lea Jahneke

Lea Jahneke

Mich hat Kiel mit seinen engagierten Menschen und spannenden Projekten (im wahrsten Sinne) im Sturm erobert, als ich für meinen Master herzog. Ich freue mich mit Funkenzeit von diesen inspirierenden "Funken" zu berichten.