Eine Leinwand in Bauwagenform für den Campus

Funkenzeit hat sich mit Dag und Eva von Le ( ) Raum getroffen, die mit Hilfe eines Bauwagens den CAU-Campus in Kiel „gestaltbar machen“ wollen.

„Uns fehlte ein Raum, wo man merkt: Hier kann ich selber meinen Campus gestalten.“ (Dag)

Dag fiel bereits in den ersten Wochen seines Masters auf, dass ihm etwas auf dem Campus der CAU fehlt: ein „verbindendes Element auf diesem großen Campus“, ein studentisch organisiertes Café als Treffpunkt und Kreativort. Denn wie bereichernd ein solcher Ort sein kann, hatten Dag und Pauline, die beiden ProjektgründerInnen von Le ( ) Raum, während ihres Bachelor in Lüneburg erlebt: Dort gibt es das ‚Plan B‘, ein selbstverwalteter Raum zentral auf dem Campus der Universität. Dieser Ort gibt einem studentisch und nicht-profitorientierten Café und weiteren Projekten ein zu Hause. „Einen solchen Freiraum habe ich in Kiel auf dem Campus vermisst“, erklärt Dag seinen Antrieb für die Idee. In Gesprächen mit anderen Studierenden stellte er rasch fest: „Auch vielen anderen Leuten fehlt eine selbstgestaltbare Fläche auf dem Campus – das war ein motivierendes Gefühl.“

„Es ist nicht irgendein Raum, es ist Le ( ) Raum.“ (Dag)

Und so entwickelte sich aus einem Wunsch eine Idee, die zu einem Projekt und einer Bewerbung beim yooweedoo-Ideenwettbewerb im Januar 2017 und die Prämierung in eben diesem Contest führte: „Gegründet haben wir Le ( ) Raum im Rahmen des Changemaker-Kurses unseres Masters und des yooweedoo-Kosmos“, erklärt Dag, „und dann haben wir einfach geguckt, was sich entwickelt“. Dabei stand der Name früh fest: Le ( ) Raum, was für ‚leerer Raum‘ steht. Die Klammern bedeuten, dass ein Ort entsteht, der mit Ideen gefüllt werden soll. Und zwar von allen Interessierten: „Es ist nicht irgendein Raum, es ist euer Raum und deswegen ist es auch LE Raum, bereit zur Ausgestaltung“, appelliert Dag.

There is space in the smallest hole. 

Doch das Team stieß an eine erste Hürde: zeitnah einen geeigneten, zentralen Raum auf dem Campus zu bekommen. Also schmiedete das mittlerweile gewachsene Team einen Alternativplan: „Wir überlegten, dass es auch witzig wäre einen ganz neuen Raum zu schaffen“, sagt Dag mit einem Grinsen, „um noch mehr zu zeigen, dass etwas auf dem Campus fehlt.“ Daher beschloss das Team vom yooweedoo-Preisgeld einen Bauwagen zu kaufen und ihn zu einem kleinen, mobilen Le ( ) Raum auszubauen. Bekräftigend erklärt Dag: „Wir sind harte Verfechter der Philosophie There is space in the smallest hole.“ Doch erst nach einigem Suchen findet das Team einen geeigneten Bauwagen, den es dann aus Mitteldeutschland nach Kiel zu transportieren galt. „Doch als wir den Wagen schließlich in Kiel an der Alten Mu abstellten, merkte ich, dass wir nun bereits einen Raum hatten“, beschreibt Dag diesen besonderen Moment im Juni 2017, „wir müssen ihn nur noch mit ein bisschen Lack und Sesseln aufmöbeln.“

„Es wollen erstaunlich viele Leute schlafen!“ (Dag)

Eine erste Renovierungsphase stemmte das Team in Kooperation mit der WerkStattKonsum in der Alten Mu. Parallel beantragte das Team einen Stellplatz auf dem Campus.

Um bereits ohne festen Raum oder Bauwagenstellplatz auf dem Campus präsent zu sein, veranstalteten sie im Juni eine Auftakt-Veranstaltung: Vor Mensa und Audimax markierten sie für einen Unitag Le ( ) Raum mit breitem neonfarbenen Klebeband, möbliert mit geliehenen Sesseln, Sofas, Teppichen und Stehlampen. Bei Crêpes, Kaffee und Limo gegen Spende trat das Team in Austausch mit Studierenden über ihre Wünsche zu einem studentischen Freiraum auf dem Campus. Das Ergebnis: „Es kamen viele Ideen zusammen und – es wollen erstaunlich viele Leute schlafen!“, sagt Dag lachend.

„Es fließt viel Zeit und Energie rein, aber dann wird etwas daraus.“ (Dag)

Eva, die neu im Team ist, erinnert sich gut an den nächsten großen Meilenstein der Hochschulgruppe: „Es war mein erstes Treffen als neues Teammitglied, als die Nachricht kam, dass wir mit dem Bauwagen an die Uni ziehen dürfen“, erzählt Eva, die wie Dag und Pauline den Master „Sustainability, Society and the Environment“ studiert, „wir haben direkt mit einem Becher Sekt zusammen angestoßen. Das war sehr cool.“

Seit Kurzem steht der Bauwagen, bereit zur Ausgestaltung, auf dem Campus, zwischen Zentralbibliothek und Physikum. Eingeweiht wurde er im Dezember bei einer kleinen House-Warming-Party. „Doch bis man zu so einem Punkt kommt, braucht man mehr Zeit und Nerven als man denkt“, schildert Dag den Prozess „es fließt viel Zeit und Energie rein, aber dann wird etwas daraus. Denn nachdem es sehr, sehr lange gedauert hat, dass die Uni uns anerkannt und uns einen Platz gegeben hat, stehen wir nun an einem idealen Ort, wo wir grundsätzlich alle Studierenden erreichen können.“

„Eine Leinwand, die bemalt werden darf“ (Dag)

Angekommen auf dem Campus, möchte Le ( ) Raum den Bauwagen und die Fläche um ihn herum zunächst „als überschaubaren, aber wunderbaren kleinen Ausprobierraum nutzen“, erklären die Initiatoren, „wir wollen allen Studierenden eine Leinwand geben, die bemalt werden darf.“

Was alles entsteht, da sind die vier Le ( ) Raum-Mitglieder neugierig und gespannt. Grob geplant ist zunächst eine Wohlfühlecke mit einem studentisch-organisierten Tresen, an dem Kaffee Existenz- doch nicht Profit-orientiert ausgeschenkt wird – wo aber, und darauf legt das Team Wert, nichts konsumiert werden muss. Und darauf aufbauend sollen möglichst viele Ideen wie Hochbeete, Hängematten, Lesungen, Konzerte, Spiele-, Filme- oder Diskussionsabende, Projekttreffen oder weitere Wünsche Gestalt annehmen können.

Das derzeitige Team von Le ( ) Raum sieht sich dabei nicht in der Rolle der Entscheider, sondern lediglich als „Raumgeber“: „Wir sind die Initiatoren, die Leute im Hintergrund, doch langfristig soll das Projekt selbstorganisiert sein und schon jetzt möglichst viele neue Leute anziehen“, erklärt Eva das Konzept. Dabei soll Le ( ) Raum völlig frei gestaltbar sein, „es gibt nichts, was nicht machbar ist“, fügt Dag hinzu.

„Wir wollen so nachhaltig sein wie wir können.“ (Dag)

Bei all den Aktivitäten, jetzt und in Zukunft, sind dem Team dennoch einige Grundsätze wichtig: „Le ( ) Raum muss immer offen sein für alle und möglichst niedrigschwellige Angebote schaffen“, zählt Dag auf, „und wir wollen so nachhaltig sein wie wir können, zum Beispiel nachhaltigen Kaffee ausschenken und Ressourcen sparen. Um umweltgerecht und finanziell günstig zu arbeiten, wollen wir möglichst Altes nutzen um Neues zu schaffen.“ Und Eva ergänzt, dass ihr ein fakultätsübergreifendes Zusammenfinden von Studierenden und interdisziplinäre Ideen sehr am Herzen liegen, „dass das schon im Studium anfängt und man einen Ort hat, wo man kreativ werden kann.“

Das ist ein Stichwort für Dag, der mit Le ( ) Raum noch eine weitere Herzensangelegenheit verbindet. Er wünscht sich, dass möglichst viele gute Projekte in Le ( ) Raum entstehen und in die Tat umgesetzt werden – auch um einen Gedanken zu starten: „Der Campus ist wie eine kleine Welt“, sagt der Ideengeber von Le ( ) Raum, „wenn man merkt, dass man diese kleine Welt selbst gestalten kann und Positives entsteht, begreift man, dass das auch in der echten, großen Welt geht und sie zu einer besseren werden kann.“

Le ( ) Raum freut sich über Weihnachtswunschzettel

Als nächsten Schritt bis zum Frühjahr ist geplant, den Bauwagen fertig herzurichten und mit Möbeln auszustatten. Auch die Bauwagenwände sollen von Studierenden der CAU gestaltet werden.

Bei einem wöchentlichen, offenen Treffen lädt Le ( ) Raum ein, sich auszutauschen, Ideen einzubringen, sich anzuschließen oder direkt loszulegen. Ansonsten möchte das Team über den Bauwagen selbst und über Facebook Präsenz schaffen sowie Kooperationen mit anderen Projekten eingehen, grobe Pläne gibt es dazu bereits. „Und auch langfristig sind wir ganz offen, dass Le ( ) Raum größer und fester wird, ein wirklicher Raum“, skizziert Dag die Zukunftspläne. „Und ich glaube, wenn die Univerwaltung sieht, dass der Bauwagen gut angenommen wird“, sagt Eva überzeugt, „wird sie sich langfristig auch bereit erklären, mehr Räume für Le ( ) Raum zur Verfügung zu stellen.“

Übrigens: Le ( ) Raum freut sich über Weihnachtswünsche per Facebook oder E-Mail (leraumkiel@gmail.com), was ihr euch von diesem Ort auf dem Campus wünscht. Und außerdem verliert das eine Ventil des Bauwagens ständig Luft, wenn da jemand Rat weiß, sind die vier dankbar für jeden Tipp.

Fotos von Le ( ) Raum und Lea Jahneke

Lea Jahneke

Lea Jahneke

Mich hat Kiel mit seinen engagierten Menschen und spannenden Projekten (im wahrsten Sinne) im Sturm erobert, als ich für meinen Master herzog. Ich freue mich mit Funkenzeit von diesen inspirierenden "Funken" zu berichten.