In diesem Kochherd brodelt Tatendrang

Weltweit kochen fast drei Milliarden Menschen mit Holz und Dung auf offenem Feuer. Das hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. GloW hat sich diesem Problem gewidmet und einen effizienten und gesundheitsschonenden Kochherd für Länder des globalen Südens entwickelt. Das Team gewann 2014 beim yooweedoo Ideenwettbewerb eine finanzielle Förderung. Die Funkenzeit wollte mehr über das innovative Konzept aus Rastede erfahren und sprach mit Markus Espeter, einen der Begründer des social Business.

Funkenzeit: Was ist ein Vorteil von GloW gegenüber Kochen über offenem Feuer?

Markus: Beim Kochen auf offenem Feuer geht sehr viel Hitze verloren. Unsere Kochherde versuchen diese Energie zu sparen und den Brennstoff effizienter zu nutzen. Verglichen mit offenem Feuer kann man mit unserem Kochherd bis zu 75% an Brennstoff und Energie sparen.

Funkenzeit: Wer seid ihr und wie seid ihr organisatorisch aufgestellt?

Markus: Wir sind drei Leute im Team – Sebastian, Mia und ich. Die beiden sind Ingenieure, ich bin eher der Wirtschaftler. Begonnen hat Glow als Studentenprojekt. Heute sind wir seit mehr als einem Jahr eine GmbH, ein Social Business. Das hört sich jetzt so groß an, doch die Gründung war besonders aus rechtlichen Aspekten wichtig. Im Prinzip ist GloW für uns immer noch ein Ehrenamtsprojekt. Wir machen das alle nebenberuflich und alle Gewinne fließen in das Projekt.

Funkenzeit: Wie ist die Idee von GloW entstanden? 

Markus: Sebastian und ich haben im Jahr 2010/2011 einen Freiwilligendienst in Uganda mit dem weltwärts-Programm gemacht. Dort haben wir bereits mit energiesparenden Kochherden gearbeitet. Sebastian hat als Ingenieur bei einem Forschungszentrum an der Uni solche Herde weiterentwickelt und evaluiert. Ich habe bei einer lokalen NGO gearbeitet, die die lokale Bevölkerung über die Vorteile und Nutzung dieser Herde informiert hat. Im Laufe dieses Jahres hatten Sebastian und ich auf beruflicher Ebene oft miteinander zu tun. Daraus haben sich dann viele gemeinsame Ideen entwickelt aus denen das Glow Projekt entstanden ist.

Funkenzeit: Wie unterscheiden sich eure Kochherde von denjenigen, mit denen ihr während eures Uganda-Aufenthalts gearbeitet habt?

Markus: Im Prinzip sind unsere Öfen eine Weiterentwicklung. Es gab vorher auch schon von Dr. Anderson, einem amerikanischen Professor, der die Technologie, die hinter dem Herd steht, entwickelt hat. Die Technologie heißt Mikrovergaser: Aus Biomasse wird Holzkohle. Diese Herde gab es vorher auch schon, aber wir haben zwei Dinge gesehen, die wir verbessern wollten. Das erste große Problem ist die Logistik. Es ist schwer die Herde nach Ostafrika zu bekommen und dort zu verteilen. Das zweite ist der Kostenfaktor. Da die ursprünglichen Herde sehr teuer sind, wollten wir schauen, wie man die Kosten reduzieren kann. Außerdem war uns wichtig, dass nicht nur europäische Firmen daran verdienen, sondern dass auch ein Teil der Wertschöpfungskette nach Ostafrika kommt.

Funkenzeit: Wie löst ihr diese Probleme mit euren Herden?

Markus: Unsere Kochherde funktionieren als Bausatz. Sie werden flach in Deutschland gestanzt, dann werden sie verschifft und vor Ort gibt es ein Verteilzentrum, wo sie gebogen und zu Bausätzen verarbeitet werden. Danach werden die Bausätze in ländliche Werkstätten gebracht, die diese gebrauchsfertig zusammenbauen. Auf diese Weise können wir in einem Paket, in dem sonst nur ein Herd Platz findet, zehn unserer Bausätze von Deutschland in das jeweilige Land verschiffen. Außerdem können sowohl die Verteilzentren als auch die lokalen Werkstätten daran mitverdienen.

Funkenzeit: In welchen Ländern seid ihr aktiv?

Markus: Unsere Herde gibt es bereits in 15 verschiedenen Ländern, wo sie momentan getestet und ausprobiert werden. Doch das oben beschriebene Konzept, mit all seinen Komponenten, haben wir bis jetzt nur in Uganda verwirklicht. Dort haben wir eine NGO vor Ort als Partner mit eigenem Verteilzentrum. Diese NGO hat viel Erfahrung und weiß, wie man die Bausätze herstellt und an die Bevölkerung in verschiedenen Orten Ugandas verteilt.

Funkenzeit: Wie viel kostet euer Herd für die Endnutzer?

Markus: Die Kosten für die Verschiffung lösen wir momentan so, dass wir uns immer andere Projekte suchen, die noch etwas Platz im Container haben. Der Herd an sich wird in Deutschland gestanzt und gelasert, weil es günstiger ist, hier die Materialien zu kaufen als in Ostafrika, wo die Chinesen und Inder ihren Preis aufschlagen. Auf diese Weise kostet ein Herd um die 30 Euro. Als nächste Frage kommt oft, wie sich die Leute das leisten können, denn das entspricht dem Monatslohn einer einzelnen Person in Uganda. Da gibt es aber bestimmte Finanzierungsmöglichkeiten, beispielsweise über Mikrofinanzierung, sogenannte saccos, das sind gemeindebasierte Fonds, aus denen sich Einzelpersonen Geld leihen können. Außerdem kann die Holzkohle, die mit den Öfen gewonnen wird, weiter verkauft werden. Auf diese Weise zahlt sich der Herd nach drei Monaten selbst ab.

Funkenzeit: Womit betreiben die Nutzer den Ofen?

Markus: Das schöne an so einem Mikrovergaser ist, dass man jegliche Biomasse hineinwerfen kann, Pellets, Holz, oder sogar Tannenzapfen. Das Material muss nur trocken sein. Je hochwertiger die Biomasse, desto bessere Holzkohle entsteht.

Funkenzeit: Welchen Hürden seid ihr begegnet?

Markus: Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ist die größte Hürde, wenn ein Weißer, oder auch Musumbu, wie die Ugander gerne sagen – das steht sowohl für weiß als auch für reich – in das Land kommt und ein Produkt verkaufen will. Das funktioniert meist gar nicht. Daher brauchten wir lokale Ansprechpartner. Nur so konnten wir Vertrauen aufbauen und die Bevölkerung erreichen.

Außerdem ist immer die Finanzierung eine große Frage. Der Grundgedanke war, von unserem Social Business leben zu können und Vollzeit dafür zu arbeiten Doch leider mussten wir uns das wieder aus dem Kopf schlagen. Mit energiesparenden Herden ist es schwer, Geld zu verdienen und so mussten wir bald wieder einen Beruf annehmen.

Letztes Jahr haben wir eine zweite Crowdfunding-Kampagne gestartet, um Glow auch als sozialen Barbecue Herd in Deutschland zu verkaufen, weil wir irgendwann gemerkt haben, dass man damit auch richtig gut Fleisch und Gemüse grillen kann. Durch den höheren Preis der Herde konnten wir dann auch die Testphase in Uganda finanzieren sowie laufende Kosten decken. Doch wir merken, dass die Deutschen ungern von ihren Weber-Grills wegwollen. Trotzdem versuchen wir, mit unserem neuen Online-Shop Leute in diesem Sommer zu überzeugen, mal Glow auszuprobieren.

Funkenzeit: Was wollt ihr in den kommenden 12 Monaten erreichen?

Markus: Wir lassen den Online-Shop in Deutschland weiterlaufen und hoffen, ihn weiter nach vorne zu bringen. Eine andere Sache ist, dass wir als kleines Projekt nicht an die großen Projektgelder rankommen. Wir haben nicht die Ressourcen dafür. Daher wünsche ich mir, dass wir noch mehr Partner gewinnen, mit denen wir an große Projektfunds anzapfen können und ein richtig großes Projekt zu starten. So wie beispielsweise bei einem Projekt, das letztes Jahr für Uganda ausgeschrieben war, mit einem australischen Solarlampenhersteller wo es um 8000 Energiesparlampen ging. Das ist eine Nummer von der wir bis jetzt nur träumen können.

Funkenzeit: Was war bisher dein bester Moment in dem Projekt?

Markus: Die Startphase war super gut. Selber vor Ort zu sein und ein Jahr in Uganda zu leben und mit den Menschen dort auf einer Ebene zu arbeiten hat mich richtig begeistert. Außerdem fand ich das Land Uganda und Ostafrika insgesamt echt cool.

Projektmäßig war es toll, wie viele sich für unser Projekt interessiert haben, von unserem Konzept begeistert waren und uns unterstützt haben. Das hat mich auf jeden Fall immer motiviert weiter zu machen. Schön war es auch, dass es viele Wettbewerbe und Stipendien gibt, die einem finanziell weiterhelfen. Da war für uns das essentiellste „exist“, das größte Tech-Start Up Stipendium vom BMWi. Damit waren wir ein Jahr Vollzeit finanziert. Das war für unser Projekt sehr förderlich und hat uns auch sehr bestärkt in dem, was wir tun.

Funkenzeit: Was habt ihr besonders im Projekt gelernt?

Markus: Das man gut vernetzt ist, ist das Non-Plus-Ultra. Ohne Kontakte gehts einfach nicht – Das würde ich als den größten Lerneffekt bezeichnen.

Funkenzeit: Was würdest du Menschen, die überlegen ein eigenes Projekt zu gründen, mit auf den Weg geben?

Markus: Man braucht auf jeden Fall viel Motivation und Enthusiasmus, um ein Projekt auf die Beine zu stellen. Und was noch wichtiger ist: viel Geduld! Wir arbeiten schon seit drei Jahren an dem Projekt und können uns damit noch nicht finanzieren. Doch wir arbeiten uns von einem Meilenstein zum nächsten.

 

Fotos von GloW

Irina Bartmann

Irina Bartmann

Um meinen Master in "Sustainability, Society and the Environment" an der Uni Kiel zu machen, habe ich Bergluft gegen Ostseebrise getauscht. Seit 2016 bin ich Projektmitarbeiterin bei yooweedoo. Ich bin begeistert von den vielen inspirierenden Projekten und Start-Ups die ich bei meinen Interviews kennenlerne.