Die Funkenzeit auf der Social Innovation Night

Mit sozialen Innovationen neue Wege beschreiten

Jede Generation steht vor gesellschaftlichen, politischen, kulturellen oder ökologischen Herausforderungen, die sie meistern muss, die aber mit traditionellem Denken und Handeln nicht gemeistert werden können.

Gesellschaftliche Innovation findet genau dort statt, wo „neue Wege, Ziele zu erreichen, insbesondere neue Organisationsformen, neue Regulierungen, neue Lebensstile, die die Richtung des sozialen Wandels verändern, Probleme besser lösen als frühere Praktiken, und die deshalb wert sind, nachgeahmt und institutionalisiert zu werden“ (Wolfgang Zapf 1989, Soziologe). Auf der ersten „Social Innovation Night Kiel“ präsentierten sich zahlreiche Projekte, die neue Lösungswege für aktuelle Herausforderungen anbieten und dabei sozial, ökologisch und nachhaltig handeln.

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Auf dem Projekmarkt kamen Besucher*innen und Projekte ins Gespräch.

 

Projektmarkt für Social Startups

Die Funkenzeit traf Felix Wenning, Projektmanager von yooweedoo auf der Social Innovation Night. Er und die AG GeoMedien organisierten die Veranstaltung und fördern mit yooweedoo seit 2011 Projekte, die das soziale, ökologische und nachhaltigen Denken und Handeln in der Gesellschaft positiv verändern wollen. Auf dem Projektmarkt der Social Innovation Night kamen nun zahlreiche unterschiedliche Projekte zusammen, die im Grunde nur eines wollen: Die Welt verbessern, um die Erde zu bewahren. Durch die Vielfalt der Ideen und innovativen Konzepte und durch den direkten Kontakt zu den Projektakteuren konnte man sich so einen Überblick über das große Feld der „Social Innovation“ machen.  „Der Begriff der ‚Social Innovation‘ ist immer noch sehr schwierig zu vermitteln, weil er sich noch nicht so lange im gesellschaftlichen Diskurs befindet“, sagt Felix. „Auch deswegen haben wir diesen Event veranstaltet, um zu zeigen, worin soziales Engagement münden kann, wenn man es durch Struktur, unternehmerisches Denken, Netzwerk und Kooperation unterstützt.“ Denn Besucher*innen der „Social Innovation Night“ sehen, dass es nicht das eine Projekt gibt, das exemplarisch für gesellschaftliche Innovation steht, sondern dass die Vielzahl der Projekte und die Vielzahl der Möglichkeiten, neue Wege zu beschreiten, das ausmacht, wofür „Social Innovation“ steht.

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Max erklärt Robert Habeck sein Longboard

 

Social Startups motivieren zum Mitmachen

Die Besucher*innen der „Social Innovation Night“ erfahren, dass die Hürde, selbst etwas in der Gesellschaft zu verändern, nicht hoch ist. „Jedes Projekt wurde von Menschen initiiert, die sich die Welt, in der sie leben, passend gestalten wollen“, sagt Felix. „Das will doch eigentlich jeder und die Projekte auf der ‚Social Innovation Night‘ zeigen, dass das auch jeder kann“.

So konnten sich die einzelnen Projekte nicht nur präsentieren sondern fanden unter den Besuchern auch zahlreiche neue Mitstreiter, die in den Projekten mitarbeiten wollen. „Gesellschaftliche Innovation lebt durch Engagement, durch eigene Ideen, durch den Diskurs und nicht durch von oben bestimmtes Handeln. Deswegen wollten wir auch bewusst keine Veranstaltung, auf der die Besucher durch einen Kanal von Ständen und Vorträgen gelotst werden und sich einfach nur berieseln lassen“, sagt Felix. Die Besucher*innen informierten sich nicht nur über die Projekte sondern traten auch mit ihnen in den Dialog und lernten, wie einfach Veränderungen in die Hand genommen werden können. Wie kann ich aus alten Lattenrosten stabile Möbel bauen? Wie stelle ich eigene Pflanzenerde her? Wie und wo kann ich Abfall sparen? Wie kann ich mich für die Integration von Flüchtlingen engagieren? Solche Fragen und noch viele mehr wurden von den Projekten anschaulich und greifbar beantwortet und somit das komplexe und abstrakte Thema “Social Innovation” näher gebracht.

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Felix, Max und eine Besucherin im Ideen-Austausch

Feedback und Zusammenarbeit stärken das Projekt

Der direkte Dialog mit den Besuchern war den Projekten sehr wichtig, denn so erhielten sie ein direktes Feedback zu ihrer Arbeit, ihren Ideen oder ihren Konzepten. „Es ist für die Projekte eine tolle Anerkennung an einem solchen Abend von so vielen Menschen Unterstützung und Zuspruch für den eingeschlagenen Weg zu bekommen“, sagt Felix. 

Was aber auf der Social Innovation Night besonders auffällt, ist die offene Kommunikation der Projekte miteinander. Viele Projekte kennen sich noch aus gemeinsamen Studienzeiten und den Lehrveranstaltungen der AG GeoMedien, sind über Facebook oder andere Netzwerke miteinander bekannt, aber treffen sich auf dieser Veranstaltung zum ersten Mal nach langer Zeit wieder. Sie sehen, was aus den Ideen geworden ist und freuen sich gemeinsam, dass es nicht bloß bei der Idee geblieben ist. Auch deswegen herrscht  zwischen den Projekten eine Stimmung wie auf einem Familienfest – einem von der schönen Sorte. Man hilft sich beim Standaufbau, passt auf die Sachen und den Stand auf und schmiedet Pläne, wie man in Zukunft zusammenarbeiten kann. „Wenn es eine Sache gibt, die mir dieses Event gezeigt hat, dann die Tatsache, dass jede analoge Veranstaltung mehr Verbundenheit schafft, als es soziale Netzwerke jemals schaffen können“, sagt Felix.

Fast jedes der Projekte ist auf Zusammenarbeit mit anderen Projekten angewiesen und profitiert von den Synergie-Effekten, die das Zusammenspiel erzeugt. So liefert „Komore Sails“ den Bezug für die Sitzmöbel von „Rostlatte“ oder  „Entzueckt“ den Arbeitsraum für „Komore Sails“ oder „Goldeimer-Komposttoiletten“ profitiert vom „Viva con agua“-Netzwerk und vertreibt nun sogar Klopapier.

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Hochschule (Christoph Corves) und Politik (Umweltminister Robert Habeck) im Dialog mit Besuchern auf der Social Innovation Night

 

Zusammenspiel mit Hochschule und Politik

Doch damit soziale Innovation auch wirklich in der Gesellschaft ankommt ist nicht nur das Zusammenspiel der Projekte untereinander oder mit den Besuchern wichtig. Auch mit der Politik können und müssen Themen diskutiert werden. „Wie sehr die Politik die Themen, die unsere Projekte behandeln, ernst nimmt, zeigt auch die Tatsache, dass wir keine Probleme hatten, Robert Habeck als Redner für die Podiumsdiskussion zu gewinnen“, sagte Felix. Immer öfter greift die Politik Innovationen und Veränderungsvorschläge von sozialen Startups auf. „Der Vorteil von Bottom-Up Projekten, die sich am Markt etabliert haben, ist natürlich auch, dass sie aus der Gesellschaft heraus entstanden sind und ein gesellschaftliches Bedürfnis darlegen und befriedigen, was eventuell erst durch politische Entscheidungen entstanden ist.“ Das Hochschulprogramm yooweedoo schafft die Schnittstelle, an der alle Akteure zusammenkommen und gemeinsame Lösungswege suchen. Politik kann durch Vorgaben und Parteirichtlinien nicht überall dort wirken, wo es die Gesellschaft fordert, sieht sich aber an diesen Stellen auch nicht als Gegenspieler zu den Projekten, was Robert Habeck bei seinem Besuch deutlich machte. Er erkennt das große Potential der Projekte, da sie alte Denk- und Handlungsmuster aufzeigen und aufbrechen und neue Lösungswege finden, die den aktuellen Herausforderungen gerecht werden. „Wer wagt, beginnt“ lautet der Titel des gerade erschienenen Buches des Umweltministers, in dem er Politiker zu mehr Mut auffordert, neue Wege zu gehen, um Ziele zu erreichen. Die Projekte der Social Innovation Night haben alle etwas gewagt, der Gewinner ist aber die ganze Gesellschaft.

Fotos von yooweedoo

Gazi Sikican

Gazi Sikican

Ich bin zwar kein gebürtiges Nordlicht, fühle mich hier aber schon seit Jahren verwurzelt. Ich habe Germanistik und Anglistik an der CAU studiert und die vergangenen 5 Jahre in einer PR-Agentur gearbeitet.