Handprothesen aus dem 3D-Drucker

Weltweit verlieren mehrere Millionen Menschen Gliedmaßen durch Unfälle, Kriege oder Krankheiten. 80 Prozent der Betroffenen leben in Ländern des Globalen Südens und haben oftmals keinen Zugang zu Prothesen. Eine Aachener Studierendengruppe will das ändern. In dem Projekt AMaPro entwickeln zehn Studierende Handprothesen, die sie eigenständig in einem 3D-Druckverfahren herstellen. Etwa 150 Euro kosten diese Prothesen. Sie sind so um ein vielfaches kostengünstiger als herkömmliche Produkte, die zwischen 5.000 und 40.000 Euro kosten können. Ein Preis, der vor allem in einkommensschwachen Regionen oder Ländern mit mangelhaftem Krankheitssystem kaum bezahlbar ist.

„Wir wollen moderne Technik nutzen, um massiven Missstand in Schwellen- und Entwicklungsländern aufzuheben.”

Der Name AMaPro steht für „Additive Manufactured Prosthesis”, zu Deutsch „3D gedruckte Prothesen”. Die Aufgaben des Teams sind in zwei Kernbereiche unterteilt: Technik und Vertrieb der Prothesen. Während Ideengeber und Projektleiter Karim Abbas sich mit den Designer*innen im Team um die technische Entwicklung der Prothesen kümmert, sorgt der zweite Projektleiter Tim Karwisch dafür, dass die Prothesen die Kunden erreichen. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten”, erklärt der Chemiestudent. Genau das ist der Ansatz von Enactus Aachen, einer gemeinnützigen Studierendenorganisation weltweit, die unternehmerische Projekte wie AMaPro dabei unterstützt, Lösungen für gesellschaftlich relevante Themen zu finden.

Über den Verein greift das Projekt auf ein Netzwerk an Partnerorganisationen zurück, um so die lokalen Infrastrukturen aufzubauen und die Prothesen direkt vor Ort zu vertreiben. „Wir führen vor Ort eine Bedarfsanalyse durch und übernehmen die Kosten für die Entwicklungsphase”, sagt Tim Karwisch. Danach soll der Verkauf der Prothesen die laufenden Kosten decken.

„Unser Ziel ist es, dass die Social Entrepreneurs eigenständig unsere Prothesen vertreiben können.”

Die marokkanische Stadt Casablanca ist Pilotregion. Hier lebt Projektpartner Abdelouahed. „Abbey ist unser erster Social Entrepreneur”, sagt Tim Karwisch vertraut, als würde er über einen alten Freund sprechen, „er betreibt einen Laden für medizinisches Zubehör”. Die sogenannten Entrepreneurs bringen das nötige lokale Wissen und die Infrastruktur mit, um die Prothesen vor Ort zu verkaufen. Ein Arzt des städtischen Krankenhauses sowie ein 3D-Druckladen sind weitere Partner. „Der Preis für eine Prothese beinhaltet den Profit für den Entrepreneur, eine Abschreibung für den Drucker und einen Puffer für Lieferkosten, Material und Reparatur”, erklärt Tim Karwisch.

„Wir wollen den Menschen ein Stück Lebensqualität zurückgeben.”

„Der Druck der Prothesen ist nicht schwer”, erzählt Tim Karwisch. Die Maße des Kunden, wie die Länge der gesunden Hand und die vom Ellenbogen bis zum Stumpf, müssen genommen und am PC eingeben werden. Die Daten werden dann an den Drucker gesandt. Die Prothesen werden aus Plastik gedruckt und mit einer Art Moosgummi überzogen, um Reibung an der Haut zu vermeiden. Die Anbringunge erfolgt mit einem Klettverschluss. Unterschieden werden zwischen reinen Schmuckprothesen und solchen mit bestimmten Funktionen. „Funktionale Prothese von AMaPro können zwar greifen, aber kommen ohne Elektronik aus”, erklärt der Projektleiter, „so halten sie länger und sind kostengünstiger und wartungsunanfällig”.

„Ich habe den Wunsch, die Welt ein klein wenig zu verändern.”

Den Alltag ohne eine Handprothese zu meistern, ist nicht nur eine körperliche Einschränkung sondern auch eine psychische Belastung. Tim Karwisch und sein Team möchten die Lebensqualität ihrer Kunden langfristig verbessern und schaffen gleichzeitig durch die Zusammenarbeit mit Social Entrepreneurs vor Ort neue Beschäftigungsverhältnisse. In Zukunft soll AMaPro in verschiedenen Ländern professionell aufgezogen werden. „Ich wünsche mir, dass wir vielen Menschen durch eine AmaPro Prothese helfen, sich wieder im Alltag integriert zu fühlen und Ängste zu verlieren”, sagt Tim Karwisch zielstrebig.

Fotos von AMaPro

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.