Heirate wen du willst – aber fair und nachhaltig!

Kauri, ein angehendes Sozialunternehmen, will für den Wert und die Wertschöpfung von Rohstoffen sensibilisieren, und bietet Alternativen zu Ringen aus Gold an. Warum stecken sich Liebende zu ihrem schönsten Tag im Leben ein Konfliktmetall an den Finger?

Diese Frage stellte sich Tina Boes, als sie 2013 im Rahmen ihres Kulturwirtschaftsstudium nach Peru reiste. Dort arbeitete sie an einem Dokumentarprojekt über den Widerstand der indigenen Bevölkerung und Bauern gegen eine der größten Goldminen der Welt mit. Denn was Liebende nicht wissen oder ausblenden sind die Probleme, die der Rohstoffhandel mit sich bringt. Für die Gewinnung von Gold wird Zyanid eingesetzt, eine hochgiftige Substanz, die verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und menschliche Gesundheit hat. Auf einen Goldring kommen ca. 14 Tonnen mit Zyanid verseuchter Erde.

Zurück in Deutschland schrieb Tina ihre Bachelorarbeit über die Frage, wie Deutschland die Nachfrage nach Rohstoffen und einhergehender Konflikte mit anfeuert. Gleichzeitig heirateten Pärchen in ihrem Freundeskreis. Was wäre denn, wenn man nachhaltigere, fairere und persönliche Alternativen zu Ringen aus Gold anbieten würde? Tina entwickelte ihre Idee weiter, pitchte sie im Social Impact Lab in Duisburg und begeisterte ihre Kommilitonin Jasmina Brinke davon. Über eine Unimailingliste fanden sie Jule Bols, die als Materialexpertin das Team komplettiert. Das Social Impact Lab bot Kauri einen Arbeitsplatz im Coworking Space sowie Coachingangebote an.

Wir wollen Ringe herstellen, mit denen sich Leute persönlich identifizieren können.” (Tina Boes)

Gemeinsam befragten sie Leute, woraus sie in einen Ehering fertigen würden.  Antworten reichten von Koalahaaren aus der ersten gemeinsamen Australienreise bis hin zu Sand vom Lieblingsstrand. Tinas Überlegungen blieben beim Sand hängen. Im Gegensatz zu Gold, ist Sand in großer Menge vorhanden. Doch es tat sich das nächste Problem auf. „Sand ist nach Wasser die meistgefragteste Ressource der Welt“, erklärt Tina. Sand wird vor allem in der Baubranche benötigt, so ist er beispielsweise ein wichtiger Bestandteil in der Herstellung von Beton. Um diesen Ressourcenkonflikt zu vermeiden, will Kauri sich auf Wüstensand spezialisieren. „Wüstensand hat eine andere Beschaffenheit und ist deshalb weniger nachgefragt“, erklärt Tina. Das Besondere und somit Individuelle am Rohstoff Sand ist, dass er zwar überall auf der Welt zu finden, in jedem Teil aber einzigartig in seiner Farbe, Form und Größe ist.

Ich habe das Glück, dass ich ein sehr optimistischer Mensch bin, deshalb nehme ich Rückschläge nicht so ernst.” (Tina Boes)

„Wir sind mit einer Idee gestartet und haben im Coaching gemerkt, dass wir das Konzept finanziell nicht tragen können“, erzählt Tina von den anfänglichen Hindernissen. Die große Vision, einen Onlineshop und Ringe aus fairen und nachhaltigeren Materialien und von unterschiedlichen Designer*innen anbieten zu können, mussten die drei zunächst zurückstellen. „Wir wollen und müssen erstmal selbst Ringe produzieren, bevor wir einen Onlineshop aufsetzen, sagt die Gründerin, das hat eine andere Geschwindigkeit ins Projekt gebracht.

Das Dreiergespann schaltete einen Gang zurück, nahm sich Zeit für Materialforschung, Markenentwicklung und Gespräche mit der Zielgruppe. „Wir haben Kauri auf Messen präsentiert und mit möglichst vielen Leuten gesprochen und so eine Crowd aufgebaut“, berichtet Tina, das würde ich Menschen, die sozialunternehmerische Idee haben, raten, sich mit verschiedenen Leuten hinzusetzen und sich beraten zu lassen“. Finanziellen Anschub und Beratungsangebote bekamen sie durch den yooweedoo Ideenwettbewerb, in dem sie 2017 Startkapital gewannen. Mittlerweile bekommt das Team Einladungen, Kauri zu präsentieren und kann so eine Teil der Ausgaben decken. „Die Präsentationen passen gut zur Idee, mit Kauri für die Thematik von Rohstoffkonflikten zu sensibilisieren“, sagt Tina zufrieden.

Ich empfehle Gründer*innen, einfach loszulegen und auszuprobieren, und wenn man mal mit dem Kopf gegen die Wand läuft, dann gehört das dazu.” (Tina Boes)

So richtig mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen, ist Kauri auf dem Weg in die Gründung noch nicht. Aber als Jasmina die Festanstellung bei einer großen Fernsehanstalt angeboten bekam, drohte ein wichtiger Teil des Teams wegzubrechen. „Kurz vor dem  Ausbildungsbeginn hat sich Jasmina doch für Kauri und für Freiheit vor Sicherheit entschieden“, erzählt Tina erleichtert. Die gemeinsame Begeisterung für die Idee verbindet das Team. Ehrlichkeit und Rücksichtnahme auf die anderen Mitglieder sind für Tina die Schlüsselkomponenten für eine erfolgreiche Teamarbeit. „Das Projekt ist immer auch Teil von einem selbst“, sagt Tina, „es ist ein Geben und Nehmen und ein Lernen für sich selbst und fürs Leben“.

Ringe sind ein sehr emotionales Thema, damit können wir die Leute gut persönlich erreichen.” (Tina Boes)

Im März 2018 beginnt Kauri voraussichtlich mit dem Verkauf seiner eigenen Ringe im Onlineshop. Prototypen der Ringe aus Sand in verschiedenen Farbnuancen und Formen klemmen bereits in einer großen Holzschatulle. Die Sandkörner sind so unterschiedlich wie die Beziehungsgeschichten der Ringträger*innen. Pärchen sollen zukünftig sogar ihren eigenen Sand mitbringen und daraus Ringe fertigen lassen können. Wer nicht auf Ringe aus Gold verzichten will, dem rät Kauri beim Kauf von Ringen auf Fairtrade Gold zu achten oder Familienschmuckstücke aus Gold einzuschmelzen und daraus neue Stücke herzustellen.

Fotos von Alexander Luna

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.