Komore Sails bringt gebrauchte Segel auf neuen Kurs

Wer an weiße Segel denkt, dem fallen normalerweise zuerst Segelschiffe auf hoher See ein. Doch es gibt noch weitere Ideen, wie man Segeltuch nutzen kann. Das Kieler Start Up Komore Sails gibt gebrauchten Segeln ein zweites Leben und produziert daraus schicke, schlichte Accessoires und Gebrauchsgegenstände.

Das Studium war vorbei und ich dachte: jetzt mach ich was mit den Händen”

Seit fünfzehn Jahren gucke ich Segeltaschen an. Überall auf der Welt sind es die selben: klobig, sportlich, bunt und als Neuware in China produziert”, erzählt Sybille. Nach ihrem, „zu theoretischen und sehr verkopften” Designstudium wollte die Komore Sails-Gründerin genau dort ansetzen. Ich wollte Segeltuchtaschen- und Accessoires neu denken und damit ein weit sichtbares Zeichen setzen, dass es möglich ist aus gebrauchten Materialien kreative und praktische Produkte zu schaffen”, sagt die Kommunikationsdesignerin und leidenschaftliche Seglerin überzeugt.

Ich weiß genau, wie ich es haben möchte”

Komore Sails  ist ein Ein-Frau-Unternehmen. Sybille nutzt einen Raum in der Alten Mu wo sie designed und Muster näht. Ihre Produkte vertreibt sie momentan hauptsächlich online. 

„Ich wollte immer ein eigenes Brand entwickeln”, erinnert sie sich. Vor zwei Jahren ergab sich plötzlich die Gelegenheit dazu, als ihr damaliger Chef seine Segelwerkstatt verkaufte und die beiden Komore Sails gründeten und zunächst zu zweit arbeiteten.

 Sybille machte das Design, Jan nähte die Produkte. Die perfekte Kombination fand sie. „Er brachte wertvolles Wissen und Werkzeuge aus seinem Beruf mit”, erzählt Sybille. Nach einem Jahr stieg Jan aus familiären Gründen aus. „Es war eine große Umstellung, sich nicht mehr mit jemandem austauschen zu können und alle Arbeitsschritte alleine zu machen”, stellt Sybille fest. „Anfangs produzierte ich immer schräge Nähte”, erzählt sie grinsend. Obwohl sie „immer dachte, nähen zu können”. Bereits mit acht Jahren hat sie von ihrem Opa gelernt, „zweilagige fünffingerhandschuhe selbst zu nähen. Doch Segeltuch ist eben nicht wie andere Materialien”, stellte sie fest.

Inzwischen sieht sie es sehr positiv Einzel-Unternehmerin zu sein. „Ich bin kein Gruppenmensch und wäre ein miserabler Chef, ich habe eine genaue Vorstellung wie etwas aussehen soll und möchte es genau so haben”, stellt sie lachend fest. Sybille findet es jedoch toll, mit anderen Start-Ups zu kooperieren, um gemeinsam Produkte herzustellen wie beispielsweise mit Rostlatte, Links im Hof oder RankWerk und freut sich über Unterstützung bei Engpässen von ihren Freunden.

Komore Sails kommt vom Komoran

„Ich wurde schon oft gefragt, wie man den Namen des Unternehmens ausspricht und woher er kommt”, sagt Sybille. „Wir wollten ein Wassertier als Logo, aber etwas Außergewöhnlicheres als eine Möwe, auch wenn die wegen der weißen Segel gut passen würde”, erinnert sie sich. Komorane gefielen ihr gut, „doch der Name war zu sperrig”. Gemeinsam mit Freunden machte sie ein Brainstorming und es entstand der heutige Name Komore Sails.

„Ich will Produkte schaffen, die rundum nachhaltig sind”

Sybille möchte die gesamte Wertschöpfung kompromisslos nachhaltig gestalten, deshalb nutzt sie nicht nur Recycling-Segel sondern füllt auch Sitzsäcke mit recycletem Material und druckt mit umweltfreundlichen Farben. Außerdem will sie ihre Produkte regional produzieren und arbeitet daher bei größeren Aufträgen mit der Werkstatt in Drachensee zusammen. „Die Kooperation klappt reibungslos”, erzählt Sybille begeistert. Sie berichtet von der tollen Stimmung vor Ort. „Ich hatte davor noch nie in Kontakt mit Menschen mit Behinderung und finde schön, wie offen und freundlich dort alle sind.”

„Ich habe so viele Ideen, die ich verwirklichen will”

Momentan gibt es bei Komore Sails zehn Produkte serienmäßig, darunter Sitzsäcke, Taschen, Rucksäcke, Beutel, Regenschirme und Duschvorhänge.

Doch damit ist noch lange nicht Schluss. „Ich versuche alle Dinge aus Stoff zu verbessern, zu verändern und aus gebrauchtem Segeltuch herzustellen”, erzählt die Gründerin voller Tatendrang. An jedem ihrer Produkte feilt sie lange bis sie mit Form und Funktion zufrieden ist. Ihr neuestes Projekt ist ein Parka aus Segeltuch.

Alle ihre Produkte sind schlicht und in weiß gehalten. Auch hier spielt der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle: „Ich möchte schönes, zurückgenommen, zeitlose Produkte, die man auch noch nach mehreren Monaten ansprechend findet. Knallige, bunte Sachen findet man oftmals anfangs toll, doch kurze Zeit später gehen sie einem auf die Nerven”, sagt Sybille überzeugt.

Neben Eigenkreationen gibt es Kooperationsprodukte und Auftragsarbeiten. Ihr erster großer Auftrag war für die Uni Kiel: 200 Schlüsselbänder als Give-Aways für eine Messe in Hannover. „Das war eine Riesennummer für mich”, erzählt sie aufgeregt. „Meine große Sorge war die Beschaffung von genug gebrauchtem Segeltuch”, gesteht die Gründerin.

„Gerissene Segel gehören nicht ins Meer!”

Um ausreichend Segeltuch braucht sich Sybille keine Sorgen machen. „Besonders in der Regattaszene gibt es einen großen Verschleiß an Segeln”, erzählt Sybille. „Leider lassen jedoch viele Segler während der Rennen gerissene Segel einfach ins Wasser treiben. Ich versuche Kampagne dafür machen, dass diese Segel wieder mit an Land genommen und an Komore Sails gespendet werden”, bekräftigt Sybille. So wird das Meer nicht noch weiter belastet, Müll wird vermieden, Segel recycled und es können noch viele weitere Produkte von Komore Sails entstehen.

Fotos von Akihiro Yasui

Irina Bartmann

Irina Bartmann

Um meinen Master in "Sustainability, Society and the Environment" an der Uni Kiel zu machen, habe ich Bergluft gegen Ostseebrise getauscht. Seit 2016 bin ich Projektmitarbeiterin bei yooweedoo. Ich bin begeistert von den vielen inspirierenden Projekten und Start-Ups die ich bei meinen Interviews kennenlerne.