Kulturgrenzenlos – gelebte Willkommenskultur

Schon von Weitem ist die Gruppe auf der Rasenfläche im Sport- und Begegnungspark Gaarden zu erkennen: Junge Erwachsene spielen Wikingerschach in der Abendsonne, andere Grüppchen sitzen im Gras und unterhalten sich angeregt. Jana sieht uns direkt kommen und begrüßt uns gut gelaunt.

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„Persönlich und leicht zugänglich!“

In zweiwöchigen Abständen veranstalten Jana und ihr Team offene Treffen. „Persönlich und leicht zugänglich“, sagt Jana, „so sollte das Projekt sein. Etwas, wo jeder mitmachen kann, der Interesse an einem interkulturellen Austausch hat.“ Genau dieser Grundgedanke des Projekts wird in den Treffen zum Programm. Ehe wir uns versehen, sind wir mittendrin in einer spannenden Diskussion darüber, wie Demokratie in Deutschland und im Iran erlebt wird.

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„Der Austausch mit den Kielern und Deutsch lernen, das sind die wichtigsten Punkte.“

Kulturgrenzenlos – das sind Jana, Lea, Malwina und Corinna. Gemeinsam haben sie ein Tandemprojekt zwischen Geflüchteten und Studierenden auf die Beine gestellt. Zum einen vermitteln die Vier Tandempartner, zum anderen organisieren sie regelmäßige Treffen. Die Treffen bestehen aus verschiedenen Aktivitäten und sind offen für Tandems und alle Interessierten. Heute steht ein sommerliches Picknick auf dem Programm.

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„Das Thema hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck!“

Die Idee zum Projekt kam nicht von jetzt auf gleich. Jana erzählt uns bei Humus und Fladenbrot, klebrigem Gebäck und Wassermelone, wie sie mit dem Thema Flüchtlingspolitik in Berührung gekommen ist. „Ich hatte in Münster mit vielen Leuten zu tun, die sich über die aktuelle Flüchtlingspolitik aufgeregt haben und habe mich immer gefragt, wie ich mich da einbringen kann.“ Deshalb begann sie während des Bachelorstudiums in Münster, Kindern in einer Flüchtlingsunterkunft Nachhilfe zu geben.

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Im Oktober kam Jana zum Masterstudium nach Kiel. Als sie vom Changemaker Modul an der Uni erfuhr, hat sie direkt überlegt, wie sie ein Projekt zur Flüchtlingsthematik konzipieren könnte. Zusammen mit ihrer Kommilitonin Lea informierte sie sich über bestehende Angebote für Geflüchtete in Kiel. „Wir haben anfangs mit vielen Leuten und Initiativen telefoniert“, erzählt Lea. „Beratungsangebote gab es schon einige, aber im Bereich Freizeit fehlte es noch an Angeboten.“ Die Idee eines Tandemprojekts war für beide schnell klar: „Es sollte ein Austausch auf Augenhöhe und der Kontakt zu Kieler Gesellschaft ermöglicht werden.“

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„Das beeindruckenste Treffen war für mich die Auftaktveranstaltung!“

Das Team reichte die Idee beim yooweedoo Wettbewerb ein und wurde gefördert. Seitdem ist das Projekt in vollem Gange. Den Startschuss setzte die Informationsveranstaltung “Geflüchtete in Kiel” im April. „Wir dachten, wenn wir Glück haben, kommen 50 Leute. Aber es kamen knapp 400 Besucher, die plötzlich im Raum standen, obwohl die Sonne draußen schien.“ Jana erzählt euphorisch: „Das Interesse hat uns motiviert und sich in den Treffen bestätigt.“

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„Ein Arbeitstreffen ist ein Freundschaftstreffen geworden.“

Aus dem Organisationsteam ist eine lustige und engagierte Vierertruppe gewachsen, in der Arbeit und Freizeit ineinander übergehen. Zu den gemeinsamen Treffen kommen um die 40 Personen, 37 Sprachtandems haben sich gefunden. Für die Organisatorinnen bedeutet das eine ganze Menge Arbeit. „Von außen sieht es locker und entspannt aus, aber für uns ist es viel Arbeit“, gibt Jana geradewegs zu. „Wir haben gemerkt, dass wir so eine Organisation noch nie gemacht haben.“ Deshalb probieren sie verschiedene Formate, holen sich Feedback bei den Tandems und entwickeln das Projekt weiter.

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„Eine fremde Person allein zu treffen ist immer eine Herausforderung.“

Genaue Termine werden auf der Facebookseite und über den Emailverteiler bekannt gegeben. Interessierte können außerdem einen Steckbrief ausfüllen. Das Team schaut, welche Leute nach Interessen zusammenpassen könnten und vermittelt den Kontakt. „Die Tandems können sich dann allein oder bei unseren gemeinsamen Aktivitäten treffen.“ Jana und ihr Team versuchen, die Hemmschwelle möglichst niedrig zu halten. Und das funktioniert! Davon können wir uns direkt selbst überzeugen, als eine junge Frau am Ende des Abends angeradelt kommt. Sie scheint die Gruppe schon von Weitem erkannt zu haben. Kurz blickt sie in die Runde und erkennt ihren neuen Tandempartner direkt.

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So einfach kann es gehen! Kulturgrenzenlos zeigt uns, wie Willkommenskultur ganz praktisch gelebt werden kann. „Das Interesse der Geflüchteten und Studierenden ist groß“, betont Jana. „Aber über neue Interessierte freuen wir uns natürlich jederzeit.“

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.