Auf die Nüsse!

Auf dem Tisch stehen bauchige Glasflaschen, die, mit kleinen Korken und einer milchig gelben Flüssigkeit gefüllt, an Zaubertrankfläschchen erinnern. Doch Zauberei ist das, was [MAKAKO] im Labor herstellt, ganz und gar nicht. Aus Kastanien gewinnen die zwei Kieler Studenten, die sich hinter dem Namen verbergen, ein umweltverträgliches Waschmittel.

Die Idee der beiden, ein eigenes Waschmittel herzustellen, entstand zufällig. Tim fragte irgendwann: „Weißt du eigentlich, dass man mit Kastanien seine Wäsche waschen kann?“. Im Internet fanden sie ein wissenschaftliches Paper, mit dem sie prompt zum Chemielabor der Universität marschierten und um wissenschaftliche Hilfe baten. Gemeinsam mit den Mitarbeitern probierten sie Verfahren aus.

Tim im Labor

Durch das Preisgeld des yooweedoo Ideenwettbewerbs konnten die beiden Materialien anschaffen. Nun stehen Messbecher und Kolben neben Körben voller Kastanien auf einem Tisch in der Alten Mu, den die beiden liebevoll ihr ‘Labor’ nennen. Hier testen sie Mengenverhältnisse von Kastanien und Ethanol aus. „Wir haben gerade ein neues Verfahren gefunden, mit dem wir das Ethanol wiederverwenden können“, berichtet Hannes. Obwohl es den Anschein macht, Chemieexperten sind die beiden ganz und gar nicht. Hannes studiert Geographie und Tim Agrarwissenschaften mit der Fachrichtung Umwelt. „Wir waren froh, als wir damals die letzte Chemieklausur in der Schule hinter uns gebracht haben.“

„Wir wollen den Waschmittelmarkt revolutionieren.“

Die Affenmaske darf bei der Ausstattung des Labors nicht fehlen, denn die drei Silben MA-KA-KO bilden das portugiesische Wort für „Affe“. Mit einem Augenzwinkern stehen sie gleichzeitig auch für „Machtbesessene Kastanien Kooperative“. Tim und Hannes erzählen, was hinter der Bedeutung des Namens steckt: „Die Waschmittelindustrie bedroht Affenarten auf der ganzen Welt, denn durch die intensive Palmölproduktion wird ihnen der Lebensraum genommen.“ Dagegen wollen die beiden etwas unternehmen und haben eine Alternative zu herkömmlichen Waschmitteln gefunden. Den Wachmittelmarkt zu revolutionieren ist die ganz große Vision. Mittelfristiges Ziel ist es, zunächst ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich aus relativ wenigen Kastanien viel Waschmittel herstellen lässt, damit bald der erste Kanister umweltverträgliches Kastanienwaschmittel im Unverpackt steht. Sollten in absehbarer Zeit Gewinne erwirtschaftet werden, werden diese in den Schutz bedrohter Affenarten und in Aufforstungsprojekte fließen.

Hannes mit Affenmaske

„Wenn wir im Labor sind, schließen wir das Gerät an und packen die Gitarre aus.”

„Mittlerweile haben wir drei Verfahren entwickelt, um die waschwirksamen Stoffe, die sogenannten Saponine, aus der Kastanie herauszulösen“, erklärt Tim. Prompt werfen sich die beiden weiße Laborkittel über und demonstrieren uns eins der Verfahren. Gebannt beobachten wir, wie sich die Flüssigkeit langsam durch den Glaskolben bewegt. „Anfangs war es spannend zu sehen, wenn alle 30 Minuten die Flüssigkeit das Verfahren durchlaufen hatte und nach unten schwappte“, erinnert sich Hannes, „nun versuchen wir eher den Zeitaufwand zu verringern.“ Um die Saponine zu lösen, muss sich der Vorgang mehrmals wiederholen.Der ganze Prozess dauert ca. vier Stunden“, sagt Hannes lachend. Die Zeit wird genutzt, um zu Schnacken und Gitarre zu spielen.

Erklärung des Verfahrens

Testfläschchen mit Feedbackbögen

„Wir wollen als nächstes ein paar Studien mit verschiedenen Verschmutzungsgraden bunter und weißer Wäsche machen“, berichtet Hannes, „und dann eine ideale Zusammensetzung finden.“ Um die Mengenverhältnisse auszuprobieren, werden die ersten 50 Waschmittelfläschchen bis Ende Januar an Tester*innen im Familien- und Freundeskreis verteilt, um Feedback einzuholen. Auch wir bekommen eins. Es riecht fruchtig süßlich und erinnert ein wenig an den Geruch von Apfelsaft.

Die Waschmittelflaschen

Auf die Kastanien, fertig, los!

Die Kastanien sammeln die Studenten „ganz konservativ vom Boden“ auf. „Wir geraten dabei regelmäßig in Straßenkämpfe mit kleinen Kindern, die eigentlich Kastanienmännchen bauen wollen“, scherzt Tim. Nach dem Sammeln geht’s ans Schälen. „Wer eine plietsche Idee hat, effektiv viele Kastanien zu schälen, ohne sich in die Finger zu schneiden, möge sich melden und darf sich über eine Portion [MAKAKO] und ein feines Geschenk freuen.“

Und, funktioniert’s?

Hannes nimmt mir meine anfängliche Skepsis. „Ich habe schon mit meiner Mutter gewaschen, sie war begeistert! Und wenn meine Mutter sagt, dass das Mittel gut wäscht, dann heißt das was.“ Zu Hause ziehe ich den Flakon aus meiner Tasche, fülle zwei Schnapsgläser in die Waschmittelvorrichtung der Waschmaschine und warte gespannt das Ergebnis ab: Sogar die Sportwäsche riecht frisch und irgendwie natürlicher als gewöhnlich.

Hannes mit Waschmittelflasche

Selber machen

Waschmittel aus Kastanien lässt sich zum sofortigen Gebrauch auch selber herstellen. Entweder vier Kastanien in Viertel schneiden, in einen Baumwollbeutel füllen und zur Wäsche geben. Oder sechs Kastanien hacken, in ein Einmachglas mit Wasser legen und max. zwei Tage stehen lassen. Anschließend die Flüssigkeit durch ein feines Sieb in die Waschmittelvorrichtung der Waschmaschine gießen. Bei weißer Wäsche vorher die Schale entfernen.

Fotos von Anne Krischker

 

 

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.