Regel.Recht – oder das Recht auf Regel

Das Projekt Regel.Recht bricht mit gesellschaftlich verbreiteten Tabus. In seinen Kampagnen und Events geht es um Menstruation, das weibliche Geschlechtsorgan und Sex. Die Veranstaltungen tragen Namen wie „Vino with a Gyno“ und „Blood, Sex & Beers“. Die beiden Gründerinnen wollen das Thema Menstruation normalisieren und Bildungsarbeit leisten.

Zwischen Pubertät und Wechseljahren menstruiert eine Frau rund 500 Mal in ihrem Leben. Damit hat sie an überschlagenden 3.000 Tagen ihres Lebens ihre Regelblutung. Das wäre schon Grund genug, dem Thema Menstruation mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Aber das Projekt Regel.Recht rückt weitere Aspekte in den Fokus: Gesundheit, Umwelt und Kosten.

In Deutschland kauft eine Frau zwischen 12 und 54 Jahren durschnittlich 92 Tampons pro Jahr

Frauen verbrauchen ungefähr 17.000 Tampons in ihrem Leben. Diese sind nur schwer abzubauen, der Vorgang dauert um die 500 Jahre. Nach einer Studie von Euromonitor, die 81 Länder verglich, werden in Deutschland die meisten Tampons gekauft. „Viele Frauen kennen die Vielfalt der weiblichen Hygieneprodukte gar nicht“, sagt Laura. Dabei existieren alternative Produkte wie die Menstruationstasse beinahe genauso lange wie Tampons. Die wiederverwertbaren Gefäße sind umweltfreundlich, denn sie sparen eine Vielzahl an Tampons und Binden ein. „Menstruationstassen haben eine lange Lebensdauer und sind langfristig günstiger als Tampons.“

„Wir möchten, dass Frauen eine bewusste Entscheidung treffen, welche Hygieneprodukte sie verwenden.“

Vielen Konsumentinnen ist nicht bekannt, dass Tampons gesundheitlich schädlich sein können. Tampons bestehen aus Kunstseide oder Baumwolle. Beim Anbau der Baumwolle werden giftige Pestizide verwendet, für die Bleichung Dioxine. Diese Stoffe können durch den Gebrauch von Tampons in den Körper gelangen. Ein weiteres Gesundheitsrisiko stellen Bakterien dar, die durch das Einführen von Tampons in die Vagina kommen und im schlimmsten Fall zu einem Toxische Schocksyndrom (TSS) führen können. „Konsumentinnen haben keinen Zugang zu Informationen über die genauen Inhaltsstoffe, da diese nicht auf der Verpackung angegeben werden“, erklärt Laura, „wir vermitteln ihnen das Wissen über Alternativen wie Bio-Tampons und Menstruationstassen“.

Wir bringen Umweltschutz und Feminismus zusammen.“

Die Idee zum Projekt kam Laura und Gabi im yooweedoo Changemaker Kurs an der Uni. Die US-Amerikanerin Laura und die Chilenin Gabi lernten sich im Masterstudium in Kiel kennen. „Ich wollte zunächst was gegen Plastikmüll machen“, erinnert sich Gabi, „aber Plastiktüten scheinen in Deutschland kein großes Thema zu sein“. Die Idee zu Regel.Recht entstand aus dem Interesse in Umweltschutz und Feminismus. „Wir wurden immer aktiver in der Frauenrechtsbewegung, als Trump in den USA gewählt wurde“, sagt Laura. Die beiden Frauen setzen sich nun für Aufklärungsarbeit ein, indem sie Bildungsveranstaltungen und Informationskampagnen organisieren.

„Als ich Menstruationstassen bei meinen Freundinnen erwähnte, fanden sie es eklig. Da dachte ich, wenn Stigmatisierung das größte Problem ist, kann man das ändern.“

Das Team baut außerdem Partnerschaften zu Produzenten nachhaltiger Hygieneartikel auf. „Es ist ein großer Sprung von Tampons zu Menstruationstassen zu wechseln“, sagt Laura, „wir organisieren Gesprächsrunden, in denen sich Frauen persönlich austauschen können“. Die beiden Organisatorinnen verstehen sich nicht als Expertinnen, sondern „stellen die richtigen Fragen, damit Frauen zu Nachdenken anfangen“.

Die meisten Frauen haben eine Menstruation und deshalb einen gemeinsamen Berührungspunkt.“

Das Format der Veranstaltungen ist kreativ und mutig. Es reicht von einem Gespräch mit einer Gynäkologin hin zu einem Quiz über das weibliche Geschlechtsorgan. „Das erste Event war eine Dildoparty, das zweite eine Diskussionsrunde über gesundes Sexleben.“ Bei den Gesprächsrunden sind auch Männer willkommen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Männer neugierig sind und mehr über das Thema lernen wollen“, sagt Gabi, „Menstruation ist ein natürlicher Vorgang, es soll normal sein zu sagen: ‚Ich fühle mich heute nicht gut, denn ich habe meine Tage'“.

Fotos von Akihiro Yasui und Regel.Recht

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.