Say Hello to the BooBrothers!

Fahrradfahren ist zur Zeit hipp! Singlespeed, Vintage Stahlrennräder und Co. machen den Tritt in die Pedale zu einer ziemlich coolen Angelegenheit. Jonas, den wir gleich treffen, baut mit seinem Partner Max eine neue und innovative Alternative zu den klassischen Rädern.

 

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Zwei Tage nach der Eröffnung betreten wir den neuen my Boo “Flagship Store”. Wir sind beeindruckt. Ein sehr repräsentativer Laden, der stilecht mit Bambuslaminat, Bambusschreibtischen und natürlich Bambusfahrrädern ausgestattet ist. Freundlich und professionell empfängt uns Jonas am Verkaufstresen.

 

Bambusfahrräder aus Ghana

 

Jonas, inzwischen ganz der Medienprofi, bringt die Idee von my Boo schnell auf den Punkt: „Wir machen besondere Fahrräder mit einem besonderen Rohstoff.“  Der Bambus, aus dem die Rahmen sind, wächst ökologisch nachhaltig in Ghana. Die Halme schießen in drei Jahren bis zu 20 Meter in die Höhe. „Man muss nur in den Wald gehen und sich die richtigen Größen raussuchen.“

 

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„Einzigartig sind die Räder auch, weil jeder Rahmen seine eigene Geschichte hat.“ Das Naturprodukt muss individuell angepasst und schließlich mit Hanfseilen verklebt werden. Das bedeutet 80 bis 90 Stunden Handarbeit. Die Rahmen werden in einem sozialen Projekt gefertigt, dass Ausbildungsplätze im Distrikt Mampong schafft, wo es sonst wenig Job-Chancen gibt.

 

„Man könnte mal was gründen.”

 

So schnell wie die Idee hinter my Boo erzählt ist, war der Weg dorthin nicht. Max und Jonas haben einen ganz anderen Ansatz als die anderen „Changemaker“, die wir getroffen haben. „Bei uns ist es etwas rationaler. Wir waren nicht schon immer Umweltaktivisten, dafür aber schon immer sozial engagiert!“ Motiviert von ihrem BWL-Studium wollten beide sich selbstständig machen. „Wir fanden es schon immer spannend, mal was zu gründen. Das mit dem Bambusfahrrädern war dann die erste Idee, wo wir dachten, dass es funktionieren könnte.“

 

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Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist zentral für ihre Unternehmung. „Wenn wir was anfangen, wollten wir es auch gleich vernünftig machen. Ein Produkt welches fair und nachhaltig erzeugt wird, war für uns einfach stimmig. Einfach etwas besonderes mit einer Geschichte dahinter.“ Die nicht ganz günstigen Fahrräder bekommen dadurch einen besonderen Wert. „Die Kunden interessiert, dass es aus Afrika kommt und dort in der Region etwas Positives bewegt. Wir hätten auch in China anrufen können und 100 Fahrräder bestellen können. Das ist aber auf gar keinen Fall unser Anspruch.“ erzählt uns Jonas.

 

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Das Projekt in Ghana bildet junge Menschen aus, die mit der Schule fertig sind, aber keine Möglichkeit haben einen Job anzufangen oder in der Hauptstadt die Uni zu besuchen. Die Ausbildung dauert vier Monate, wer länger bleiben möchte kann auch weiter für das Projekt arbeiten. „Die Meisten sparen dann Geld um sich die Uni zu finanzieren.“

 

Der erste große Schock

 

Der Partner vor Ort in Ghana hat durch ein UN gefördertes Projekt bereits Erfahrungen mit Bambusfahrrädern. Voller Euphorie bestellten Jonas und Max Ende 2012 alle sieben aus dem Projekt übrig geblieben Rahmen. Die Enttäuschung folgte prompt als die Rahmen in Deutschland ankamen. „Wir konnten nicht einen einzigen Rahmen aufbauen. Alle waren krumm und schief!“ Weder die Räder noch ein Bremssystem konnten montiert werden. „Das ging gar nicht! Das war der erste große Schock!“ Der Plan, einfach die Rahmen zu bestellen und diese in Deutschland zu vertreiben, wurde verworfen. Es war an der Zeit, sich intensiv mit dem Bau der Rahmen zu beschäftigen.

 

„…zu sehen wie die Menschen in Afrika leben und dass sie glücklich sind, obwohl sie ganz anders leben als die Menschen in Europa.“

 

Mit Hilfe von Ingenieuren der Schramm Group wurden neue Rahmenlehren entwickelt, die sicherstellen sollen, dass die Bambusrohre alle in Flucht zusammengebaut werden können. Mit den Lehren im Gepäck flogen Jonas und Max nach Ghana. Die Reaktion der Partner in Ghana war zunächst ungewiss, da alle Mitarbeiter bis auf den Leiter nur Twi sprechen. Neben der Sprache war auch die Kultur neu für Jonas und Max. „Alle Leute, die du irgendwo triffst, sagen ‚Hello‘ und wenn du nicht ‚Hello‘ zurück sagst, sind dir die Leute böse. Wir wurden dann immer erinnert: ‚Ich habe dir gerade Hello gesagt!‘.“ Nachdem die Beiden ihre norddeutsche Zurückhaltung überwunden hatten, war der Besuch ein voller Erfolg. „Die Reise war ein großer Schritt für die Ernsthaftigkeit des Projekts. Vorher wars ja nur ne Idee. Vor Ort zu sehen was passiert und mitzubauen war sehr wichtig für uns persönlich und vor allem für my Boo.“

 

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Am Ende waren die Beiden zehn Tage in Ghana und vier Rahmen wurden gebaut. In Deutschland dann das beruhigende Ergebnis: Die Rahmen waren nun gerade und konnten zu fertigen Fahrrädern montiert werden. Insgesamt hat die Entwicklung 2 Jahre gedauert, da das Naturprodukt Bambus sich nur schwer verarbeiten lässt.

 

„Am Anfang haben wir eine halbe Stunde übers Projekt gesprochen und dann erst mal 1 ½ Stunden Fifa gespielt!“

 

Um eins klar zustellen: Max und Jonas sind keine Brüder. Sie werden aber immer öfter dafür gehalten, auch wenn sie das selber nur schwer nachvollziehen können. „Vielleicht weil wir beide eine Brille tragen oder immer die grünen Shirts anhaben.“ Kennengelernt haben sie sich durch Zufall auf einer Wohnungsbesichtigung. Dass die Beiden so ein gutes Team werden, war am Anfang noch nicht klar. „Es hätte auch einfach nicht funktionieren können. Aber wenn es in Afrika ohne Klo und Dusche funktioniert, dann funktioniert es immer.“

 

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Jeder hat sein Aufgabengebiet. Max schnackt gerne mit den Händlern und kümmert sich deswegen um Logistik, Einkauf und Vertrieb. Jonas um technische Entwicklung und Marketing. „Aber dadurch, dass wir jeden Tag acht Stunden im Büro sitzen, treffen wir am Ende die Entscheidungen sowieso zusammen. Das Strategische und Visionäre passiert dann meist Abends, weil das Tagesgeschäft einfach zu anstrengend ist. Danach wird dann Fußball geguckt ohne über die Räder zu sprechen!“

 

„Die Uni von Innen sehen wir nicht mehr so oft!“

 

Max und Jonas stehen beide am Ende ihres Bachelorstudiums. „Wir wollen nur noch fertig werden. Wenn man schon so praktisch unterwegs ist, fällt es schwer, einen Schritt zurück zu gehen und wieder Theorie zu lernen.“ Ein Gehalt zahlen sich die Beiden noch nicht aus. Als Studenten ist der Lebensunterhalt durchs Bafög gesichert. „Nach dem Bachelor wollen wir erst mal voll my Boo machen.“ Die nächsten Schritte sind dann ein Händlernetz aufzubauen und auch auf dem internationalen Markt Fuß zu fassen.

 

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„Als wir angefangen haben, waren wir gerade Zuhause ausgezogen und haben angefangen zu studieren. Seitdem ist viel passiert.“ Mit internationalen Geschäftspartnern verhandeln oder sein Produkt vor 150 Leuten präsentieren war zunächst ungewohnt. Aber genau durch diese Herausforderungen haben sich die beiden auch persönlich stark weiterentwickelt. Dazu kommen die Reisen nach Afrika die „eine ganz besondere Erfahrung waren. Diese Dinge hätten wir ohne unser Projekt einfach nicht erlebt.“