Schenk dich glücklich!

Das ist das Motto des Glückslokals. „Und es funktioniert hier wirklich!“, schwärmt Nina. „Die Leute kommen hierher, finden etwas, das sie super schön finden und gehen mit einem riesigen Strahlen im Gesicht wieder hinaus.“

Und tatsächlich kann man sich hier viele Wünsche erfüllen: ein alltagstaugliches Kleidungsstück in jeder beliebigen Größe, etwas Ausgefallenes für die nächste Bad Taste Party, Taschen, Sonnenbrillen, Bücher, Spiele, Kindersachen, sowie diverse Haushaltsartikel.

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Nina ist eine der Seelen des Glückslokals. Die blonden Haare zu einem lockeren Zopf gebunden, meist mit Brille, immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen und jederzeit für einen Schnack zu haben. „Eine echte Kieler Sprotte, mit Blick auf die Förde geboren.“

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Wir setzen uns auf eine kleine Anprobierbank zwischen Tüchern und Taschen.
Sofort zeigt sie mir die neueste Errungenschaft des Glückslokals: 2 Ninja Turtle Brillen – die wir natürlich sofort anprobieren! Unglaublich: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt!

„Wir waren beide immer schon Flohmarktmädchen“

Nina und Adriana, die beiden Begründerinnen des Glückslokals, haben sich 2011 kennen gelernt.

„Adriana wollte gerne Kleidertauschparties organisieren und hat dann bei kleiderkreisel.de geguckt wer die meisten Artikel hochgeladen hat und ta ta, das war ich!“, erzählt Nina lachend.

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„Die erste Tauschparty fand ganz klein in Adrianas Garten mit Freunden von uns statt.“ Die Parties wurden schnell größer. Dann begannen die Beiden öffentliche Flohmärkte zu veranstalten, zum Beispiel den Perlentaucher Flohmarkt in der Pumpe.

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„Wir haben schon Sachen für das Glückslokal gesammelt, bevor es die konkrete Idee gab“

Bei den Flohmärkten ist es oftmals vorgekommen, dass Aussteller nicht verkaufte Kleidung einfach liegen ließen.
„Wir haben dann in diese Kartons geguckt und bemerkt: das ist ja überhaupt kein Müll.
Wir sammelten die Kleidung und so füllten sich unsere Keller und unsere Wohnungen bis obenhin.“
Es war höchste Zeit fürs Glückslokal!

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Um ihre Idee finanzieren zu können, bewarben sie sich mit noch 5 weiteren engagierten Freunden 2014 beim yooweedoo Ideenwettbewerb.

Daran kann sich Nina noch lebhaft erinnern: „Das Online-Voting war total aufregend. Ich habe Tag und Nacht vor dem PC gesessen.“

Die Teilnahme war ein voller Erfolg: sie erhielten den Publikumspreis!

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„Dann ging alles ganz schnell – 2 Tage später unterschrieben wir den Mietvertrag für den Laden.“ Einige Monate war das Glückslokal in Gaarden, bevor das Team die Möglichkeit bekam, mit dem Glückslokal in die Alte MU zu ziehen. Dort sind auch weitere yooweedoo geförderte Projekte und andere Initiativen angesiedelt.

„Wir sind kein Tauschladen!“

Das Glückslokal ist ein gemeinnütziger Verein. „Man kann hier immer gerne Sachen spenden, doch mitnehmen kann man Dinge nur, wenn man Mitglied ist.“

Das geht ganz einfach: während der Öffnungszeiten vorbei kommen, Zettel ausfüllen und 3 Euro im Monat beitragen.

Anschließend kann man bei jedem Besuch 3 Dinge aus dem Glückslokal mitnehmen.

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Hierzu betont Nina: „Es ist uns wichtig, dass Leute nur das mitnehmen, was sie auch wirklich brauchen.“

Gespendete Kleidung geht sowohl an die Mitglieder als auch an diverse Non-profit Organisationen wie Claro und die Stadtmission Kiel sowie an diverse Upcycling Projekte.

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Mit dem Geld der Mitgliedsbeiträge werden diverse Anschaffungen finanziert und darüber hinaus die Alte Mu unterstützt. Mitglieder können außerdem den Raum auch für eigene Veranstaltungen nutzen. Das Treffen der Transition Town Bewegung Kiel ist ein Beispiel dafür.

Nina findet: „Das Glückslokal soll auch ein Ort sein wo man sich austauschen kann, wo man neue Leute kennen lernt und Interessen teilt.“ Auf sie trifft das in jedem Fall zu: mit dem Glückslokal sind Freundschaften gewachsen.

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„Man lernt jeden Tag dazu“

Seit der Gründung des Glückslokals hat sich Nina viel Wissen angeeignet und auch im Team „entwickeln wir uns ständig weiter und lernen total viel voneinander.“

Zudem „gewöhnt man sich daran Verantwortung zu tragen.“
„Wir sind für das Glückslokal und dass alles gut läuft zuständig!“

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‘Kosmischer Bestellservice’

„Hier passiert manchmal etwas, dass wir “kosmischen Bestellservice” nennen – Es kommen Leute, die etwas ganz bestimmtes suchen, und sehr oft haben wir genau dieses Teil gerade bekommen.“ So machen Dinge, die eine Person nicht mehr braucht, jemand anderem eine große Freude.

Andere Gegenstände begleiten Nina schon lange. So auch diese besonders aussehende Vase mit einem Ohr. „Manche finden sie gruselig, doch ich mag sie richtig gerne.“

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Sorgenfrei ehrenamtlich tätig

Nina und Adriana sind nicht nur in ihrem eigenen Projekt, sondern auch in der Gemeinschaft der Alten Mu tätig.

Für die Zukunft wünscht sich Nina, „dass wir mit allen Leuten, die hier in der Alte MU ihre Projekte haben, zusammen bleiben können.“ Auch wir fänden es schade, die Gebäude abzureißen, um an der Stelle Wohnungen zu bauen.

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Ihre Utopie: „Dass die ehrenamtlichen Tätigkeiten und die nachhaltigen Projekte hier vor Ort aus einem Topf der Stadt finanziert würden, damit wir alle ohne finanzielle Sorgen noch mehr Zeit in unser Projekte stecken können.“

„Wir brauchen unbedingt Helfer“

Nina, Adriana und Anna, die Dritte im Organisationteam, haben viel zu tun! Das Glückslokal hat bereits ungefähr 300 Mitglieder, die es zu verwalten gilt. Pro geöffneten Nachmittag kommen mindestens 5 neue Mitglieder dazu. Spenden müssen überprüft, sortiert und eingeordnet werden.

„Zum Glück gibt es auch eine Hand voll Leute, die uns unterstützen, wenn sie Zeit haben. „Das ist total schön! Ohne diese Hilfe wäre das Glückslokal nie so geworden, wie es jetzt ist.“

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Irina Bartmann

Irina Bartmann

Um meinen Master in "Sustainability, Society and the Environment" an der Uni Kiel zu machen, habe ich Bergluft gegen Ostseebrise getauscht. Seit 2016 bin ich Projektmitarbeiterin bei yooweedoo. Ich bin begeistert von den vielen inspirierenden Projekten und Start-Ups die ich bei meinen Interviews kennenlerne.