Socialbnb – NGOs und Touristen vernetzt durch eine Plattform

„Socialbnb“ ist als Enactus-Projekt der Universiät zu Köln entstanden. Es ist eine Vermittlungsplattform, die Touristen an NGOs in Südostasien und Südamerika vermittelt, die Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende anbieten. Durch die zusätzliche Einnahmequelle können diese NGOs ihre Projekte vor Ort leichter finanzieren. Den Gästen wiederum wird eine besonders authentische Form des Reisens ermöglicht.

Socialbnb ist Preisträger im diesjährigen yooweedoo Ideenwettbewerb. Während des Summer Camps auf Sylt traf Funkenzeit-Autorin Lea Jahneke Anja Mederl und Nils Lohmann. Im Interview erzählen sie von ihrer Leidenschaft zu reisen, geben Tipps für interne Teamkommunikation und berichten von den Zukunftsplänen des Projekts, das momentan ausgeweitet wird.

Was macht Socialbnb aus und wie ist die Idee entstanden?

Anja: Socialbnb ist eine Homestay-Plattform, auf der wir NGOs und Touristen miteinander verbinden. Weil wir auf der einen Seite erfahren haben, dass es gerade im Raum Südostasien viele NGOs gibt, die – wie so viele – sehr stark spendenabhängig sind. Wir haben daher überlegt, wie sie ihre Spendenabhängigkeit verringern könnten. Und da kam dann die Idee auf, dass Touristen bei den NGOs übernachten könnten. Letztere haben nämlich sehr oft ungenutzte Räume. Ein Großteil dieses Übernachtungsgeldes wird dann direkt an die NGOs gezahlt, sodass diese damit ihre Projekte umsetzen können. Wir sind die Plattform, die die NGOs mit ihren Homestay-Möglichkeiten listet, sodass Touristen einen Überblick bekommen, wo sie übernachten könnten, wie viel das kostet, welches Projekt sie damit unterstützen würden und was sie vor Ort erwartet.

Wie setzt sich euer Team zusammen, mit dem ihr das auf die Beine stellt?

Anja: Aktuell sind wir 15 Leute in unserem Team. Das ändert sich allerdings auch immer ein bisschen dadurch, dass wir zu einer Studentenorganisation gehören, Enactus. Zum Beispiel waren wir letztes Semester nur zu siebt, haben also momentan das Team stark aufgestockt. Dadurch ergeben sich natürlich viele Möglichkeiten, weil einfach mehr Leute zur Verfügung stehen, die ihre Zeit einbringen. Andererseits müssen dadurch auch Aufgaben besser aufgeteilt werden, damit sich die Leute trotzdem noch verantwortlich fühlen für ihre Aufgaben. Dass man Struktur reinbringt ist wichtiger, je mehr Leute man im Team ist.

Nils: Es ist immer schön, wenn neue Leute reinkommen, weil man nochmal neue Einflüsse, neue Ideen reinbekommt und eine neue Dynamik entsteht. Aber wie Anja schon sagt, ist es wichtig zu organisieren, dass dann auch alles strukturiert anläuft, alle ähnlich viel Arbeit reinstecken und motiviert sind, das Projekt weiterzubringen.

Habt ihr eine bestimmte Form gefunden, wie ihr euch als Team organisiert? Habt ihr Tipps, auch für andere Projekte, was funktioniert und was nicht?

Anja: Also, wir haben zum einen klare Aufgabenbereiche vergeben, sodass jeder seine Stärken bestmöglich einbringen kann. Wenn jemand beispielsweise IT-Kenntnisse hat, kümmert er sich eher um die Website.

Nils: Genau. So haben wir eine IT-Abteilung, eine Marketing-Abteilung, eine Abteilung, die sich um die Partnerakquise kümmert und den direkten Kontakt mit den NGOs und einen Teamleiter, der das Ganze delegiert und übergeordnet organisiert.

Anja: Und wir benutzen ein Projektmanagement-Tool, Trello. Damit kann man die Aufgaben sehr schön übersichtlich strukturieren, zuordnen, wer kümmert sich um was und die Aufgaben dann auch als erledigt markieren. Und ansonsten sind auch Whatsapp-Gruppen oder ähnliches super, weil man sich da schnell abstimmen kann, beispielsweise wer kurz Zeit hat etwas zu erledigen.

Nils: Und es ist ja mittlerweile kein Problem mehr, dass man remote von überall zusammenarbeiten kann. Man teilt dann die Sachen entweder über Trello oder Googledrive miteinander und alle können daran teilhaben.

Bei Euch persönlich, wie kam es dazu, dass ihr euch bei Socialbnb engagiert?

Anja: Bei mir fing alles mit einer reinen Infoveranstaltung von Enactus an, wo mich das Projekt sofort angesprochen hat. Man kann mit dem Namen sofort assoziieren, worum es geht, dadurch, dass es Socialbnb heißt. Und mich hat einfach das Konzept sofort überzeugt. Ich habe direkt gedacht, dass das ein Projekt ist, was sich super umsetzen und später skalieren lässt. Ich fühle mich mit dem Reisen auch sehr verbunden, was auch mein inhaltliches Interesse sofort geweckt hat. Das waren so die Punkte bei mir.

Nils: Bei mir war es so, dass ich mich vorher informiert hatte, was man an der Uni Köln in Richtung „Sustainability“ machen kann und da war Enactus mit das erste, was aufgeploppt ist. Mir gefällt die Herangehensweise von Enactus und der Projekte sehr gut: dass wir Soziales mit Unternehmerischem verbinden. Und es gefällt mir, dass Enactus seine Projekte langfristig stets auf eigene Füße stellen will, dass es irgendwann abgegeben werden kann; auch, weil es sich selbst trägt.

Zu Socialbnb bin ich dann als Quereinsteiger mit dazu gekommen, nachdem ich erst für ein anderes Enactus-Projekt verantwortlich war. Mich interessiert das Projekt auch aus den Gründen, die Anja genannt hat: Ich finde es wunderbar, wenn man Reisen – was eine persönliche Passion ist – mit dem sozialen und wirtschaftlichen Gedanken vereinbaren und das Beste für alle rausholen kann.

Was habt ihr mit Socialbnb für die Zukunft geplant? Was sind die nächsten Schritte, auf die ihr Euch freut?

Anja: Ganz aktuell haben wir unsere Website umgestellt, wobei es sehr viele Herausforderungen gab. Aber was natürlich auch ganz neue Möglichkeiten bietet, weil man die Homestays schöner präsentieren und zeigen kann, wo sie genau liegen.

Nils: Und wir sind sehr dankbar dafür, dass wir bei yooweedoo sein können. Die Finanzierung hat uns neue Türen geöffnet. Wir haben das Geld in die Website-Entwicklung gesteckt und auch in den Bereich Marketing. Besonders auch durch die Coachings – vor allem in den Bereichen, die uns herausfordern, wie IT und der rechtliche Part – können wir viele Tipps einholen und Kontakte knüpfen, die dann hoffentlich lange bestehen bleiben.

Anja: Auch ganz aktuell ist ein großes Ziel von uns Socialbnb zu skalieren, auf einen anderen Kontinent auszuweiten. Daher sind zwei von uns momentan in Peru, um dort neue NGOs zu akquirieren.

Nils: Genau, auf lange Sicht wollen wir immer weitere Länder hinzufügen in unser Programm. Denn wir glauben, dass das Konzept gut ist, funktioniert und einen Markt hat. Daher würden wir es gerne skalieren. Wir möchten gerne noch mehr Touristen diese wunderbare Erfahrung ermöglichen, diese sehr authentische Form des Reisens. Denn beim Homestay lernt man wirklich Land, Leute und Kultur kennen und kann ein bisschen was zurückgeben an das Land, in das man reist, weil man die NGOs vor Ort unterstützt. Und natürlich ist ein ganz großes Ziel, dass wir mehr NGOs listen können, in mehr Ländern. Denn NGOs sind unserer Meinung nach der wichtigste Bestandteil sozialer Entwicklung eines Land. Sie wissen einfach mit am besten, welche Probleme vor Ort angegangen werden müssen. Und wenn wir ihnen helfen ihre Finanzen zu regeln, sodass sie ihre Projekte umsetzen können, ist aus unserer Sicht der Bevölkerung am ehesten geholfen.

Fotos von Socialbnb

Lea Jahneke

Lea Jahneke

Mich hat Kiel mit seinen engagierten Menschen und spannenden Projekten (im wahrsten Sinne) im Sturm erobert, als ich für meinen Master herzog. Ich freue mich mit Funkenzeit von diesen inspirierenden "Funken" zu berichten.