Solidarische Landwirtschaft, wo Utopie Wirklichkeit trifft

Bei der Solidarischen Landwirtschaft gehen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen eine Vereinbarung ein. Die Verbraucher*innen, die Mitglieder der Solidarhöfe, erwerben für eine bestimmte Zeit, meist ist es ein Jahr, einen Anteil an den auf den Höfen produzierten Produkten. Die SoLaWistas, wie die Verbraucher*innen sich nennen, entlohnen die Erzeuger*innen monatlich, um ihnen ihr Einkommen zu sichern.
Im Gegenzug können sich die SoLaWistas wöchentlich die von den Erzeuger*innen produzierten, regionalen Lebensmittel in Depots vor Ort abholen. Klingt nach Utopie? Keineswegs!

Text und Bilder von Amelie Berg

Solidarische Landwirtschaft – kurz SoLaWi – findet vor unserer Haustür statt. Die Funkenzeit besuchte mit SoLaWista Mary Jirsak den Wurzelhof des Gemüsebauern Dieter Pansegrau und sprach mit ihnen über die SoLaWi der Schinkeler Höfe.

„Im Prinzip ist das so ’ne mittelbare Selbstversorgung – professionell organisiert und delegiert“ (Dieter Pansegrau)

Das beschauliche Schinkel liegt rund 20 Kilometer westlich vor Kiel. In dieser Gemeinde mit etwas mehr als 1000 Einwohnern entwickelte sich die SoLAWi.
Aus einer Initiative von zwei Engagierten heraus, bildete sich 2015 ein Kollektiv, welches die produzierenden Höfe ansprach. Dann ging es plötzlich ganz schnell.
Die SoLaWi startete mit 50 Ernteanteilen. Wie SoLaWista Mary berichtet, war die Motivation der SoLAWi- Gründer*innen eine alternative Form zur industrialisierten Landwirtschaft zu etablieren und kleinbäuerliche Formen der Landwirtschaft zu unterstützen, die auch faire Bedingungen für die Produziereden böten. Auch heute noch zähle es für sie zu den besten SoLaWi-Momenten, wenn sie die Kraft dieser Gemeinschaft spüre. Und diese Gemeinschaft wächst: Im zweiten Wirtschaftsjahr 2016 wurden 111 Anteile vergeben, im dritten Wirtschaftsjahr 2017 waren es bereits 131 Anteile. Aber was macht die Schinkeler SoLaWi zu einem Erfolgsmodell?

Landwirtschaft zum Anfassen

Für Mary zeichnet sich die Schinkeler SoLaWi dadurch aus, dass vier unterschiedliche Betriebe den SoLAWistas Gemüse, Tierprodukte und köstliches Brot und Brötchen liefern. Dieter ergänzt: „Bis auf Obst gibt es eine komplette Grundversorgung.“
Fragt man Gemüsebauer Dieter Pansegrau nach dem ökologischen Mehrwert der SoLaWi, antwortet er wie folgt: „Solawi heißt pur, echt und konsequent. Es ist wie dein eigener Garten, in den gehst und das erntest, was du hast und das auch verzehrst.“ Nachhaltig sei die SoLaWi seiner Meinung nach, weil sie die Kreislaufwirtschaft des ökologischen Landbaus mit der regionalen Wertschöpfungskette der SoLaWi verbinde.
Die SoLaWi hat Utopie in die Wirklichkeit übersetzt: Einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und einen fairen Umgang zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen zu etablieren. Aber wie geht es in Zukunft mit der SoLaWi weiter?

Gemeinsam.Nachhaltig.Wachsen.

Marys Vision für die Schinkeler Höfe ist, dass sie noch mehr Mitstreiter*innen bekommen und sich weitere SoLaWis gründen. Ihr Traum ist es, dass mit der SoLaWi auch die Solidarität wächst. Dieter hofft, dass auch wenn die SoLaWi weiterwächst, die familiäre Bindung und das Bewusstsein der Gemeinschaft für die Form der alternativen Landwirtschaft bestehen bleibt.

SoLaWista werden

Wer Lust hat, sich ein Jahr lang in der SoLaWi zu engagieren und dabei regionale Lebensmittel zu beziehen, der kann jetzt noch schnell einsteigen: Im Juli 2018 beginnt das vierte Wirtschaftsjahr. Persönlich kennenlernen kann man die Schinkeler Höfe bei den regelmäßigen, öffentlichen Treffen am vierten Dienstag im Monat, jeweils um 19.00 Uhr in der Pumpe, Haßstraße 22, Kiel.

Amelie Berg

Amelie Berg

Ich studiere an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den Master Internationale Politik und Internationales Rech. Ich kam vor fünf Jahren nach Kiel und seitdem hat sich die Stadt nachhaltig verändert. Diese positiven Entwicklungen möchte ich mit euch teilen.