Tandempartner rund um den Globus

Europäer gehen nach Afrika, um interkulturelle Erfahrungen zu machen. Von Austausch kann kaum die Rede sein, wenn die Menschen im Gastland nicht die Möglichkeiten haben nach Europa zu kommen, um ähnliche Erfahrungen zu sammeln. Das Projekt GlobalMatch will die Einseitigkeit interkultureller Austauschprogramme aufbrechen, indem es über eine online Plattform junge Menschen aus dem globalen Norden und globalen Süden vernetzt.

„Der Matching Prozess soll lustig und spielerisch sein“

„Die Tandems wählen wir nach gleichen Interessen oder gleichen Studiengängen aus“, erklärt Mirjam, Teammitglied von GlobalMatch. Interessierte geben per online Formular ihre Studienschwerpunkte und persönlichen Interessen an. Das Team lernt die Bewerber*innen per Skype Interview kennen. „Wir schauen, wer zu wem passen könnte und begleiten die Tandems bei ihrem ersten Gespräch“, sagt Mirjam. So trifft eine Fotografiestudentin aus Nürnberg auf einen Fotojournalist aus Kampala in Uganda. Die beiden arbeiten nun per online Austausch an einem gemeinsamen Street Photography Projekt. „Wir wollen einen wechselseitigen Effekt“, sagt Teammitglied Kai, „die Menschen im globalen Süden profitieren nicht von dem scheinbar unendlichen Wissen aus dem Norden, sondern es soll eine Bereicherung für beide entstehen“. Auch Teammitglied Mirjam hat einen Tandempartner in Uganda. Beide verbindet das Interesse an landwirtschaftlichen Themen. „Ich unterstütze Charles bei seiner Arbeit, indem ich viele Fragen stellen“, sagt Mirjam. „Wir versuchen die Tandems anhand eines konkreten Projektes zusammenzubringen“, erklärt Kai, „weil dadurch der größte Social Impact entstehen kann“. Zwingende Voraussetzung für eine Tandempartnerschaft ist die Bearbeitung eines gemeinsamen Projektes aber nicht.

Die Tandems kommen aus 12 verschiedenen Ländern

Die ersten Tandems sind über persönliche Kontakte entstanden. Denn die 18 Teammitglieder leben und studieren in verschiedenen Ländern. Die meisten von ihnen sind mit Themen der internationalen Zusammenarbeit durch ihr Studium der Politikwissenschaften, Soziologie oder Konfliktforschung vertraut. „Wir bewerben das Tandemprogramm in Unis“, sagt Kai, „in Uganda haben wir jetzt sogenannte Ambassadeure, die für uns werben und vor Ort eine breite Öffentlichkeit aufbauen“. Die Idee zum Projekt kam der Gründerin Kathi, die von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert wird. „Kathi wollte was zurückgeben an die, die nicht so eine Chance haben”, erklärt Mirjam.

„Wir wollen selbst Experten für interkulturelle Kommunikation werden“

Etwa 30 Minuten Zeit pro Woche sollten sich die Tandempartner für gemeinsame Telefon- oder Videogespräche nehmen. Kommunikationssprache ist Englisch. „Es geht nicht nur um Fachwissen sondern auch um interkulturellen Austausch“, sagt Kai.

Zukünftig will das Team von GlobalMatch selbst interkulturelle Seminare anbieten und Forschungstandems zusammenbringen. „Ich habe zu große Ziele“, sagt Mirjam selbstkritisch, „ich sehe uns in einem eigenen Büro und als Netzwerk für motivierte junge Menschen weltweit“. Bis dieses ganz große Ziel erreicht ist, soll zunächst der Matching Prozess optimiert und eine Datenbank der Tandems aufgebaut werden. „Mir ist auf dem yooweedoo Summer Camp auf Sylt klar geworden, dass wir die Kommunikation, Aufgabenverteilung und Struktur im Team noch verbessern müssen“, sagt  Kai reflektierend. Denn wenn Team und Tandems überall auf der Welt verteilt sind, sind Kommunikation und Organisation besonders wichtig. Den Grundstein für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Projektstruktur hat die Gruppe diesen Sommer gelegt. „Wir haben während eines  Teamwochenendes in München die Formalitäten für die Vereinsgründung erfolgreich abgeschlossen”, berichtet Kai.

Fotos von GlobalMatch

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.