Terra – was?

„Wenn wir anfangen unsere Denk-Tabus zu durchbrechen und die Natur besser zu beobachten, dann können wir Gleichgewichte herstellen, die zu paradiesischen Strukturen führen”, sagt Haiko Pieplow, promovierter Bodenkundler und Pionier der Terra-Preta-Bewegung. Der Ausdruck ‚Terra Preta’ kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet ‚schwarze Erde’. Sie gilt als die fruchtbarste Erde der Welt und wurde erstmals im Amazonasgebiet entdeckt. Lange Zeit blieb das Wissen um den humusreichen Boden verschollen. Doch dank einiger unermüdlicher Forscherinnen und Forscher weiß man heute, dass die Menschen im Amazonasgebiet jahrelang ihre Küchenabfälle und Fäkalien mit Holzkohle unter Luftabschluss fermentierten. Nach der Fermentation überließen sie es den Regenwürmern die Erde zu verarbeiten. So schufen sie langfristig fruchtbaren Boden. Doch wie genau funktioniert das Ganze und kann man diesen Ansatz vielleicht auch im heimischen Garten umsetzen? Um genau das herauszufinden sind wir heute beim ersten interaktiven Workshop des Alte Mu Impulsforums.

FZ_Terra_In Aktion

Daniel Müller und Hannes Popken, zwei begeisterte Permakultur- und Kompostaktivisten, haben diesen Workshop organsiert und Haiko Pieplow als Experten eingeladen. „Die Idee des Impulsforums ist es, ein breites Publikum mit dem Thema Transformationsgesellschaft vertraut zu machen. Jede Idee ist willkommen und jeder kann an uns herantreten. Wichtig ist uns nur, dass es zum theoretischen Teil auch immer einen praktischen gibt”, erklärt uns Hannes. Heute hat das schon mal geklappt. Eine bunte Truppe an Leuten ist an diesem Samstagvormittag in der Alten Mu zusammengekommen. Vom Landschaftsingenieur über Vertreter der Abfallwirtschaft bis hin zu Studierenden verschiedener Fachrichtungen ist alles vertreten.

FZ_Terra_Gruppe

Im Kot von Regenwürmern ist einfach von allem mehr

Los geht’s mit einem Impulsvortrag vom Experten. Haiko Pieplow erklärt uns, warum Terra Preta so wichtig ist. Er spricht von degradierten Böden, wertvollen Küchenabfällen, hohem Humusgehalt inklusive CO2-Speicherung und Regenwürmern. Im Kot der Regenwürmer ist einfach von allem mehr: doppelt soviel Kohlenstoff, fünfmal soviel Stickstoff, siebenmal soviel Phosphor und elfmal mehr Kalium. Haiko Pieplow weist außerdem immer wieder darauf hin, dass es ihm erst einmal nicht um die Rettung der Welt geht, da es bestimmt einige Schwierigkeiten bei der Übertragung des Konzepts auf die Landwirtschaft gibt. „Es geht heute eher darum, dass jeder schon einmal im Kleinen anfangen kann gegenzusteuern, um seine ganz persönliche Lebensqualität zu verbessern.” So kann man sich zum Beispiel einfach einen alten Mayonnaise-Eimer bei der nächsten Imbissbude besorgen. Der reicht schon aus um in einem Zwei-Personenhaushalt über ungefähr zwei Monate Essensreste zu sammeln, um diese dann weiterzuverarbeiten.

FZ_Terra_Pieplow

Dann machen wir uns auch schon direkt an die Arbeit. Zuerst wollen wir gemeinsam Holzkohle herstellen. Also wird das Knickholz zerkleinert und in einer speziellen trichterartigen Verbrennungsvorrichtung, auch ‚Kon-Tiki Meiler‘ genannt, aufgeschichtet. Wir sind erstaunt, weil das Anrichten des Feuerholzes ganz anders funktioniert, als wir es eigentlich kennen. Anstatt das Holz pyramidenförmig zu stapeln und es von unten anzuzünden, wird das Holz gleichmäßig verteilt und nur ein kleiner Haufen in der Mitte angezündet. So entsteht ein Feuernest, das nach unten abfällt und anschließend von den Seiten her neues Brennmaterial nachzieht. „Durch den besonderen Winkel in der Feuerschale verbrennt das Holz unter Sauerstoffmangel, sodass statt Asche Holzkohle entsteht”,  erklärt uns Hannes. Während die Äste langsam zu Holzkohle werden, gehen wir erstmal kurz Mittagessen.

„Kistengärten sind ideal für Urban Farming“

Dann geht’s ans Anlegen eines Kistengartens. Derartige Kistengärten gibt es beispielsweise schon in den Prinzessinnengärten in Berlin – sie sind ideal für Urban Farming und den eigenen Garten oder Balkon.

Zuerst kleiden wir die Kisten an den Seiten mit Pappe aus. Dann folgt eine erste, etwas drei Zentimeter dicke Erdschicht. Anschließend schütten wir ein bisschen Bokashi Kompost in die Mitte der Kisten. Bokashi ist der japanische Ausdruck für ‚fermentiertes organisches Material’ und ein wichtiges Substrat für die Terra Preta Herstellung. Daniel und Hannes waren so nett, den Bokashi schon vier Wochen vorher vorzubereiten und in luftdichte Eimer abzufüllen. Als wir die Eimer öffnen, kommt uns ein säuerlicher Geruch entgegen, der aber auszuhalten ist. Außerdem schmücken weiße Hefepilze die Oberfläche, die uns anzeigen, dass die Fermentierung funktioniert hat.

FZ_Terra_Hand

Es geht darum, den Kreislauf wieder zu schließen

Auf die erste Schicht Erde und Bokashi folgt eine zweite und schon sind die unteren Kisten fertig. In die oberen kommt nur Mutterboden. Wichtig bei diesem Konstrukt ist es, dass es zu Bodenabschluss kommt. Das heißt, die unteren Kisten sollten möglichst den Boden berühren und auch die Erde in beiden Kisten sollte Kontakt haben, damit der Migration von vielen kleinen Bodentieren nichts im Wege steht. Wir stellen die Kisten in einem Kreis auf. In der oberen kann man nun sähen und pflanzen – alles was das Herz begehrt. Nach einem Vegetationsjahr wird der Bokashi in den unteren Kisten ganz und gar vererdet sein. Dann werden die beiden Kisten ausgetauscht und in die unteren kann wieder Bokashi eingefüllt werden. Einmal angelegt, kann dieses System ein Leben lang weiter rotieren ohne das die Erde ausgetauscht werden muss oder zusätzlicher Dünger nötig wäre.

FZ_Terra_kisten

„Die Holzkohle muss am Schluss durch den Regenwurmmagen passen“

Am Nachmittag stellen wir dann den Bokashi selber her. Und zwar mit den Küchenabfällen vom Mittagessen. Auf jede Schicht Küchenabfall kommt eine dünne Schicht Holzkohle. „Die Mischung sollte am Schluss ungefähr 10 Prozent Holzkohle enthalten“, erklärt uns Haiko, „und es ist es wichtig, dass sie schön klein ist, am besten pulverartig, da sie am Schluss ja durch den Regenwurmmagen passen soll.” Wer mag, kann noch ein paar effektive Mikroorganismen hinzufügen. Dies ist bei der richtigen Mischung aber eigentlich nicht nötig. Der Fermentierungsprozess ist mit der Sauerkrautherstellung vergleichbar. So wie Sauerkraut leichter verdaulich ist für den menschlichen Magen, so sind auch die Küchenabfälle nach der Fermentierung für Regenwürmer besser geeignet.

FZ_Terra_Eimer

„Bokashi ist einfach, fast geruchlos und platzsparend“

Auf meine Frage hin, was das Besondere an Bokashi sei, antwortet Hannes mit Begeisterung: „Es ist eine einfache, fast geruchlose und platzsparende Form, seine organischen Küchenabfälle weiterzuverarbeiten.“ In vier Monaten werden wir unser Bokashi-Glas öffnen können und wunderbaren Dünger erhalten, den wir dann im Gemüsegarten oder einem Kistengarten einarbeiten können, um so langfristig Terra Preta zu erzeugen.

FZ_Terra_Hannes

„Ein Innovationszirkel um die Transformationgesellschaft voranzutreiben“

Am Ende des Tages stehen wir noch ein bisschen am Feuer und lassen den Tag auf uns wirken. Ich nutze die Zeit um mich mit Hannes zu unterhalten. „Ich würde mich natürlich freuen, wenn es weitergeht und sich aus dem Workshop heute ein Terra Preta-Netzwerk entwickelt. Für das nächste Impulsforum kann ich mir aber auch gut ein ganz anderes Thema vorstellen. Von Upcycling bis Windkraft ist da alles denkbar.“ Daniel mischt sich in unser Gespräch ein und weist uns mit strahlenden Augen daraufhin, dass mit dem Workshop heute schon ein Kreislauf begonnen wurde. Am 21. Mai wird in der Alten Mu die Queer-Beet Veranstaltung zum Thema Urban Gardening stattfinden. Da könne der Kistengarten bepflanzt werden. Im Herbst wird dann im Rahmen eines Ernte-Dank-Festes das Gemüse gemeinsam geerntet und verköstigt. Auf dem Fest werden auch Komposttoiletten bereit stehen und die anfallenden Küchenreste werden wieder in den Kistengarten eingespeist. Und schon ist der Kreislauf geschlossen.

Als ich wieder zu Hause bin, hole ich mein Bokashi- Glas hervor und betrachte es nachdenklich. Nein, wir haben an diesem Samstag Vormittag nicht die Welt gerettet, aber wir haben angefangen Stoffströme wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Und das Thema Terra Preta und die damit verbundenen Prozesse sind mir nun schon viel vertrauter. Ich stelle den Bokashi neben den Biomüll in der Küche und freue mich darauf, den Dünger im Frühjahr bei meiner Familie im Gemüsegarten anzuwenden.

Fotos von Mia Schuhmacher, Friederike Meyn und Daniel Müller

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Friederike Meyn

Friederike Meyn

Ich bin 2010 für mein Politikstudium nach Kiel gekommen und irgendwie hier hängengeblieben. Nicht zuletzt durch den Nachhaltigkeits-Master engagiere ich mich in einigen Projekten und freue mich durch die Funkenzeit die Szene einmal von einer anderen Seite kennenzulernen.