Bestellung verwechselt? Das gehört in diesem Restaurant dazu.

Ein Graus für KellnerInnen: Ein Gast beschwert sich über vertauschte Bestellungen. Nicht aber im Pop-up-Restaurant in Tokio. In „The Restaurant of Order Mistakes“ ist den Gästen schon im Vorhinein bewusst, dass hier manchmal andere Gerichte serviert werden als bestellt. Denn das außergewöhnliche Restaurant bietet dementen KellnerInnen eine Beschäftigung.

Ein Beitrag von Akihiro Yasui

„Ich träume von einer Gesellschaft, in der die Menschen kleine Fehler akzeptieren und somit alle unter weniger sozialem Druck leben können.“ (Siro Oguni)

Der Gründer Siro Oguni will in seinem Restaurant Menschen auf Demenzerkrankungen aufmerksam machen und Akzeptanz schaffen. Eigentlich arbeitet Siro bei einer Fernsehfirma in Tokio. Die Idee zum Restaurant kam ihm während Dreharbeiten in einem Altenheim, in dem demente SeniorInnen alltäglichen Dingen nachgehen. Während des Abendessens wurde Siro von einem demenzkranken Herrn anstatt Gyoza (eine japanische Teigtasche) eine Frikadelle angeboten. Siro bemerkte, dass die anderen Leute, die auch ein vertauschtes Gericht serviert bekamen, sich nicht beschwerten. So war die Idee geboren. Ein Restaurant als Ort zu schaffen, an dem solch kleine Fehler akzeptiert werden.

„Ich glaube, dass noch viele Menschen denken, dass die Diagnose Demenz bedeutet, nichts mehr alleine machen zu können. Ehrlich gesagt, habe ich das vorher auch gedacht.“ (Siro Oguni)

Doch “The Restaurant of Oder Mistakes” beweist das Gegenteil. Hier bekommen erkrankte Menschen die Möglichkeit, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Neben gastronomischen Tätigkeiten bietet es auch die Chance, eigene Talente auszuleben und zu zeigen. So wie jene Klavierlehrerin, die während der Eröffnungsfeier spielt. „Wir achten darauf, dass es nicht so wirkt, als würden wir uns über die Menschen lustig machen oder sie einfach nur für unser Projekt benutzen”, erklärt Siro. So will er in seinem Projekt einen Ort für Begegnungen schaffen – in gemütlicher Atmosphäre und mit sehr gutem Essen.

Akihiro Yasui

Akihiro Yasui

Bereits in Japan habe ich verschiedene Projekte als Fotograph und Filmemacher unterstützt. Heute arbeite ich im Funkenzeit Team in Kiel. Ich möchte durch meine Fotos und Filme die Ideen und Lösungen verbreiten, denen ich im Masterstudium “Sustainability, Society and the Environment” begegnet bin.