Volle Kraft voraus für die Ankerbox

Am Anfang eines Projektes steht eine Idee. Etwas Innovatives, etwas Neues. Etwas, das antreibt und motiviert. So war es auch bei Mareike Rehse als eines Tages ein Praktikant, der gerade von einem Seminar des NABU zurück kam, von einem Pilotprojekt in der Schweiz erzählte. Er schwärmte von einem Mehrweg-System für Take-Away Essen. „Mareike, wir brauchen so ein Pfandsystem!“ Davon war die Kieler Gründerin gleich überzeugt. Schluss mit Bergen aus Styropor Verpackungen und Einweggeschirr. Kiel braucht ein nachhaltiges Take-Away Konzept für die Mittagspause. Die Ankerbox! Eine Box für jedes Mittagessen von Fischbrötchen zum Thaicurry. Statt nach dem Gebrauch auf deutschen Müllhalden zu landen, wird sie in einem Partnerrestaurant abgegeben und wieder befüllt.

„Kaffee zum Mitnehmen wird immer kritisiert, aber über das Essen spricht keiner.“ (Mareike Rehse)

Die Plastikverschmutzung unserer Umwelt rückt immer mehr in den Fokus unserer Gesellschaft. Wiederverwendbare To-go-Becher werden selbstverständlicher. Warum diesen Schritt nicht auch beim Essen gehen? Nach der Idee suchte Mareike Gleichgesinnte und wurde schnell fündig. Wo? Beim Mittagessen! Schon komplementierten Lisa Jakob und Alke Voß die Crew. 2017 nahmen die drei Frauen am yooweedoo Ideenwettbewerb teil und für gefördert! „yooweedoo hat uns den ersten Anstoß gegeben, uns weiterzuentwickeln. Schon die Antragsformulare zwangen uns unser Projekt anders zu betrachten. Es gab uns den Kick!“, berichtet Mareike über diese Startphase. Mit der Förderung in der Tasche sollte es losgehen, doch richtig gründen hat so seine Stolpersteine.

Wie umgehen mit Flauten?

Zunächst gab es Gesprächsbedarf. Gespräche mit der Verbraucherzentrale, der Veterinärbehörde, den Lebensmittelverantwortlichen der Stadt und thematisch nahen Unternehmen. „Es ging nicht nur um Lebensmittelsicherheit sondern auch um die Usability“, betont Mareike. Dann kam ein herber Rückschlag. Nach Verhandlungen mit dem Schweizer Projekt, musste der Plan die dortigen Boxen zu übernehmen über Bord geworfen werden. Die Boxen waren zu teuer. Wie weiter? Für das Team war Aufgeben keine Option: „Wir haben das Geld bekommen und nun wollen wir auch liefern. Das motiviert.“ Fortan sind die drei unterwegs auf der Suche nach einer Alternative. Doch das kostet viel Zeit. Zeit die Mareike, Lisa und Alke neben Vollzeitjobs und Familie schwer haben. Die Lösung? Andere begeistern und die Arbeit auf mehreren Schultern verteilen. So wird aus dem Projekt Ankerbox ein Verein!

Mit Rückenwind weitermachen

Seit Februar 2018 ist die Ankerbox ein gemeinnütziger Verein mit 14 Mitglieder. Und sie wollen weiter wachsen. „Von fünf- bis Ende 40-jährigen  ist alles dabei. Dadurch, dass wir nicht mehr im studentischen Kontext sind, fehlen die Studenten bei uns“, stellt Mareike fest. Doch jede*r, der interessiert ist, ist willkommen. Die Arbeitsgruppen sind gebildet und motiviert Segel zu setzen. Vor allem die Gruppe für die Entwicklung der Ankerbox. „Wenn wir einen Prototypen haben, wird es sicher einfacher, wenn wir den Restaurants zeigen können, was wir meinen“, ist sich Lisa Jakob sicher. Eine Pilotkantine konnte das Team bereits überzeugen — die Kantine des Landesumweltministeriums in Schleswig-Holstein. So kann es erfolgreich weitergehen. Doch einen Moment. Wieso eigentlich Ankerbox? „Wenn man mit einem Boot ankert, ist man unterwegs, nicht Zuhause am Esstisch, macht aber eine Pause und isst einen Happen,“ strahlt Mareike. Also Anker setzen und Mittagessen angeln.

Fotos von Aki Yasui

 

Sarah Heider

Kieler Sprotte mit Fernweh. Kiel ist mein Heimathafen. Ich freue mich darauf, die vielen kreativen, nachhaltigen Ideen der Region bekannter zu machen.