youvo verbindet kreative Köpfe und sozial Engagierte

Ein Verein aus Bad Salzuflen sucht Nachwuchs. Ein Art Director aus Berlin konzipiert eine zugeschnittene Marketingkampagne für den Verein. Ehrenamtlich. Kurzfristiges Engagement trifft auf langjährige Erfahrungen. Die digitale Großstadtwelt den ländlichen Raum. Das ist nur eine von über 300 Kooperationen, die youvo bereits vermittelt hat. Die Plattform bietet Kreativen aus ganz Deutschland Möglichkeiten mit ihren Fähigkeiten Vereine und Organisationen aus dem sozialen Sektor zu unterstützen – webbasiert. „Zwischen dem kreativen Sektor und dem sozialen Sektor gibt es kaum Schnittstellen“, erklärt Anne-Sophie Pahl, Mitbegründerin von youvo, „die Akteure sprechen andere Sprachen“. youvo bietet „Übersetzungsleistungen“ an, ein „betreutes Kennenlernen“ sozusagen.

„Wir wollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Kreativen und sozialen Organisationen ermöglichen.“ (Anne-Sophie Pahl)

Die Idee entstand 2012 im Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation der Universität der Künste in Berlin. „Wir wollten uns damals ehrenamtlich engagieren“, erinnert sich Anne, „aber fanden kein Projekt, in das wir hätten unsere Fähigkeiten einbringen können“. Stattdessen entstand ein 200-seitiges Konzept, das den Grundstein für youvo legte. Heute besteht das Team aus neun Leuten, die mit unterschiedlichen Zeitbudgets in einem kleinen Büro in Berlin, aber auch von Leipzig und Hannover aus, arbeiten. „Die hohe Nachfrage können wir ehrenamtlich gar nicht mehr leisten“, sagt Anne und fügt hinzu: „und das ganz ohne Werbekampagne“. Vereine und Kreative erfahren in Veranstaltungen oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda von youvo. Fast 3600 Nutzer*innen sind mittlerweile auf der Plattform registriert. Ihre Motivationen sind unterschiedlich. „Für einige bietet youvo die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun“, erklärt Anne. Andere nutzen ihr Engagement, um sich ein Portfolio aufzubauen und die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren und natürlich zu teilen. 70 Prozent der Kooperation finden dezentral und digital statt. „Gegen jede Befürchtung, die wir anfangs hatten, entsteht trotzdem eine Verbindlichkeit“, sagt Anne.

„Unser Fokus liegt auf Digitalisierung und das trifft den Nerv der Zeit.“ (Anne-Sophie Pahl)

Für viele Organisationen ist es das erste Mal, dass sie räumlich getrennt mit jemanden zusammenarbeiten, den sie noch nie persönlich getroffen haben. Das ist oftmals eine neue Erfahrung und ein Learning by Doing Prozess. „Wir möchten nicht, dass die Leute bei dem Thema Digitalisierung Bauchweh haben und denken, sie müssen digital sein, weil das alle machen“, erklärt die Gründerin, „wir wollen den sozialen Organisationen Hilfestellung geben, um sicher aufzutreten und mündiger mit dem Thema umzugehen“. Manchmal bindet das Digitale dann sogar Leute an den Ort, die wegziehen“.  

youvo ist mittlerweile ein gemeinnütziger Verein und finanziert sich mithilfe verschiedenen Projektförderungen. Da youvo von den Organisationen kein Geld nimmt und die Kreativen sich ehrenamtlich engagieren, generiert das Projekt keine Einnahmen. „Wir versuchen uns in die Social Entrepreneurship Welt vorzuwagen“, sagt Anne. Denn langfristig muss das Team ein Geschäftsmodell entwickeln, um auch ohne Förderungen bestehen zu können. Ziel ist es, noch mehr Leute zu erreichen und das Netzwerk im Ausland auszubauen.

„Wir bekommen mittlerweile euphorische Dankesmails, in denen Organisationen schreiben‚ ‚ohne euch hätten wir schon längst aufgegeben‘”. (Anne-Sophie Pahl)

Für Anne, die vorher keine Erfahrung im Ehrenamt hatte, ist die Arbeit „ein absoluter Traumjob“. „Durch meine Arbeit merke ich, wie sehr sich Leute in jeder Kleinstadt da draußen engagieren, mit so viel Herzblut, eigenen Ersparnissen, über Jahre hinweg, und gar nicht danach fragen, was sie dafür bekommen“. Annes Begeisterung ist nicht zu überhören. youvo macht sichtbar, wie viele Menschen sich in Deutschland engagieren und dass Kreative bereit sind, mit ihren Fähigkeiten kostenfrei weiterzuhelfen. Um es mit Annes Worten zu sagen: „Ich nenne das auch manchmal Pause vom Kapitalismus”.

Fotos von Norman Posselt und Sebastian Schütz

Teresa Inclan

Teresa Inclan

2014 bin ich für den Master „Sustainability, Society and the Environment“ nach Kiel gezogen und geblieben. Ich bin begeistert davon, wie viel sich hier tut und bewegt. All die kleinen Projekte und Initiativen machen Kiel für mich zu einer total spannenden und besonderen Stadt.