Zeit, groß zu denken und seine Träume umzusetzen – angewandte Utopien hier in Kiel

Was ist eine Utopie und was macht sie aus? Welche utopischen Ansätze kennen wir und welche wurden bereits umgesetzt? Welche Gesellschaftsordnung ist denkbar und wie lässt sich ein nachhaltiges Zusammenleben umsetzen? Viele dieser Fragen haben uns beschäftigt, uns neugierig gemacht und waren für uns Anreiz am Seminar Angewandte Utopien Nachhaltiger Entwicklung teilzunehmen.

Das Seminar wird von Studierenden für Studierende aller Studiengänge der Universität Kiel als Fachergänzung angeboten. So haben wir uns als bunt gemischte Gruppe von Teilnehmer*innen zusammengefunden, um neue aufschlussreiche, kreative und alternative Lebensansätze, die zum Nachdenken über den eigenen Beitrag in unserer Gesellschaft anregen, kennenzulernen und zu diskutieren.

IMG_2583neuneu

Große Herausforderungen in kleinen Schritten angehen

Viele von uns kennen das. Man denkt oft über Probleme der heutigen Zeit nach und wie man diese verändern könnte. Jedoch ist man häufig im selben Moment überfordert, wenn man an die konkrete Umsetzung denkt, die zu Veränderung und Lösungen führen könnte. Manche Problematiken scheinen einfach zu groß. Gerade wenn man als Individuum etwas bewegen möchte. Das sollte jedoch keinen von uns abschrecken. Träumen ist schon die Grundlage für Veränderung!

IMG_2482neuneu

„Die Vorstellung einer besseren Welt, motiviert uns, im Hier und Jetzt schon konkret Schritte zu gehen, die die Welt Stück für Stück verändern können“, erklärt Caroline Koch, eine Teilnehmerin unseres Seminars. Schon kleine Dinge bewirken Wandel.

 

Was wir im Seminar entdecken konnten: Anregungen und praktische Umsetzungen ganz in der Nähe

Im Seminar haben wir entdeckt, dass man solche Utopien schon in der direkten Nachbarschaft finden kann. Wir haben Projekte kennengelernt wie die ökologische Gemeinschaftssiedlung Alte Gärtnerei mit Gründächern und Kompostierung auf dem eigenen Gelände, das vegane Restaurant Subrosa in Gaarden, ein Kneipen-Kollektiv, das alle Entscheidungen gemeinsam trifft und das urban gardening-Projekt in der Holtenauer Straße, welches städtische Flächen zum Anbau von Gemüse nutzt. Viele kleine Utopien sind also bereits direkt vor unserer Nase umgesetzt worden und zeigen uns, dass wir nicht alleine mit unseren Wünschen und Ideen sind. Schon eine kleine Gemeinschaft kann Utopien lebendig werden lassen.

IMG_2521neuneu
Hierdurch zeigt sich, dass besonders das Umdenken und der Mut, etwas Anderes als und Neues zu machen, eine Utopie Wirklichkeit werden lassen kann. Wir haben gelernt, wie individuell und unterschiedlich eine Utopie für jeden einzelnen definiert sein kann, genauso wie unsere Wünsche und Träume. Jede Person innerhalb der Projekte, die wir kennengelernt haben, motiviert eine mehr oder weniger individuelle Utopie. Für den einen mag dies sein, sich autark zu versorgen; für den anderen mag es bedeuten, nicht weiterhin von gesellschaftlichen Systemen, Strukturen und Hierarchien abhängig zu sein und sich von diesen abzukoppeln und freizumachen.

 

Unsere eigene Umsetzung einer Utopie – Der Utopientag auf der Kieler Woche

Unsere Utopien wollen wir nicht nur innerhalb des Seminars diskutieren, sondern mit möglichst vielen Menschen teilen und sind gespannt, welche Träume andere von der Zukunft haben. Daher organisieren wir als Abschluss des Seminars einen Programmtag auf dem MUDDI Markt der Kieler Woche am 25.06. ab 13 Uhr. Durch verschiedene Aktionen wollen wir die Besucher zum Mitmachen, zum Nachdenken und zum Austausch anregen. Beispielsweise wollen wir mehr Bewusstsein zum Thema Zeit schaffen. Manchmal braucht man zunächst die Möglichkeit, sich bewusst zu machen, wie man seine Zeit im Leben nutzt und ob man damit ehrlich zufrieden ist. Es wird sich die Gelegenheit bieten, sich mit anderen Besuchern über seine Gedanken und Utopien auszutauschen und an einer Umfrage teilzunehmen.
Wie schwer es ist aus altbekannten Denkmustern auszubrechen, zeigt das „Querdenker“-Fahrrad, welches die Besucher auf dem MUDDI Markt ausprobieren können. Dieses fährt nach links, wenn man nach rechts lenkt und andersherum. „Das Prinzip scheint auf den ersten Blick vielleicht leicht verständlich zu sein, gestaltet sich in der Umsetzung beim Fahrradfahren allerdings schwieriger als man denkt“, sagt der Initiator des „Querdenkerrads“, Nils Schmale. „Dies kann auch auf eine Utopie zutreffen. Was jedoch nicht bedeutet, dass man es mit etwas Übung und Arbeit nicht doch schaffen kann, sie umzusetzen. Man muss sich vor der Umsetzung nur erst einmal aufs ‚Querdenken’ einlassen“.
Eine „give and take“-Box rundet das Programm ab. Wem Reden nicht reicht, der kann zum Beispiel mit einem mitgebrachten Buch, aber auch einer Fähigkeit, die zum Tausch angeboten werden kann, ein Zeichen der Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft setzen. Der Programmtag soll dazu anregen, einfach mal etwas zu tun, umzudenken und Anregungen zu bekommen, eigene Utopie zu definieren und im idealen Fall den Besuchern den Mut zu geben, ihre eigenen Utopien umzusetzen.

 

Text: Nadine Berkmann, Franziska Kruse und Jorid Höffken